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Ist das neue iPhone eine Sex-Maschine?

‘Das neue iPhone ist eine Sex-Maschine!’ Eine US-Forscherin mit einschlägigen Erfahrungen (sie beschäftigte sich auch schon mit der iPhone ‘Vibrator App’) stellt die These auf: Apples neuestes Superhandy ist wie geschaffen für Cybersex, wegen:

des guten und fein dosierbaren Sounds (für besseres Sexgeflüster immer und überall)
des schnelleren Chips und genialer Software (zum Aufnehmen und Schneiden hausgemachter Pornos)
der zweiten Kamera, die ‘ganz neue Formen von Cybersex’ ermögliche. Denn nun könne man ja die Ansichten verschiedener Körperteile gleichzeitig durchs Netz schicken.

Ein Schelm, wer dabei daran denkt, dass die Forscherin möglicherweise Ihre eigenen Erfahrungen in den Mittelpunkt der Analyse stellt und so zu dieser ein wenig schrägen, einseitigen Betrachtungsweise kommt.

An der Sache ist natürlich was dran, aber es hat nichts mit dem iPhone zu tun. Cybersex ist seit längerem eine deutlich spürbare Strömung in unserer Gesellschaft und das hat ganz plausible Gründe:

• Globalisierung der Liebe: Die meisten Menschen finden heute Ihren Liebespartner nicht mehr im selben Heimatdorf, sondern irgendwo auf der Welt, vielleicht in einer anderen Stadt, vielleicht aber auch auf einem anderen Kontinent. Eine neue Studie ergab: Bereits jedes sechste Paar in Deutschland lebt eine Fernbeziehung. Für viele der mehr oder weniger Zwangsgetrennten ist Cybersex schon lange ein wichtiges Hilfsmittel, um die Distanz und Wartezeit zu überbrücken.

• In einer Zeit, da viele Menschen sich fast ausschließlich im Internet bewegen, ist es nur logisch, dass sich auch der Sex ein Stück weit dahin verlagert. Und das selbst dann, wenn man nicht ortsgetrennt in einer Partnerschaft lebt.

• Cybersex bietet auch eine Reihe von Vorteilen, wie ein Psychotherapeut Kornelius Roth beschreibt: “Er ist leicht verfügbar, sicher, anonym, geheim, nicht sehr teuer und normalisiert die eigene Sexualität. Daneben machen weitere Faktoren wie die beinahe unendliche Verfügbarkeit neuer Sexualpartner und sexueller Reize den virtuellen Sex attraktiv.”

Cybersex ist heute also Normalität. Allerdings: Was wir heute unter Cybersex verstehen, ist nur ein schwacher Abklatsch dessen, was wir vielleicht schon in nicht allzuferner Zeit als virtuellen Sex erleben werden. Dazu gehören nicht ein paar übers Internet gefunkte Bildchen, auch kein nächtliches Gestöhne am Telefon, so reizvoll das auch gelegentlich sein mag. Nein, es ist viel mehr: eine ganzheitliche Erfahrung, wie wir sie bisher nur aus Science-Fiction-Filmen kennen.

Computer- und Sex-Industrie arbeiten daran, das Realität werden zu lassen. Und das Ganze in die Schmuddelecke zu stellen, wäre gar nicht clever. Denn es kann durchaus sein, dass aus den sex-inspirierten Forschungen auch wichtige und nützliche Nebenprodukte fürs Alltagsleben mit entstehen..

‘Echter Cybersex’ könnte mittelfristig etwa so aussehen: Sie begeben sich mittels Avatar in ein virtuelles Invironment, das Sie vorher ausgewählt haben (einsame Hütte mit Kaminfeuer, Frühlingswiese mit Picknick, Sado-Maso-Keller oder einfach ein Schlafzimmer), dort treffen Sie (als Mann) auf einen Frauentyp, den Sie vorher aus Tausenden ausgewählt haben (blond, rot, schwarz, Heilige bis Hure) (und das ganze Programm gibt es natürlich umgekehrt genauso für Frauen, selbstverständlich, logo, klar!). Über einen interaktiven Ganzkörperanzug (per USB-Schnittstelle ;)) sind Sie mit Ihrem Avatar verbunden, und können exakt fühlen, was er fühlt …

Aber möglicherweise ist Ihnen auch gar nicht nach einem Abenteur zu Mute, sondern Sie wollen einfach nur Ihre real existierende Freundin treffen, die gerade am anderen Ende der Welt ist – vielleicht aber auch nur im Nebenzimmer. Von dort schickt sie, ebenfalls mit einem Cyberanzug verbunden, dann ihre virtuelle Stellvertreterin zum Schäferstündchen – schöner, aufreizender und jünger denn je.

Ja, das ist Cybersex, der dem richtigen sogar Konkurrenz machen wird.

Das alles aber kann das neue iPhone nicht. Daher ist es in dieser Hinsicht für mich nicht der große Bringer. – Und nebenbei: Auch Steve Jobs wird sicher alles tun, um den Eindruck zu vermeiden, sein neues Telefon sei eine Porno-Maschine. Auch wenn der angebissene Apfel des Apple-Logos ein wenig an Evas Sündenfall erinnern lässt.

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