Selbstliebe als Voraussetzung für eine ausgeglichene Partnerschaft

Paarpsychologen und Coaches sind sich einig: Wenn man sich selbst nicht liebt, ist es schwierig, einen anderen für sich zu begeistern. Immer wieder wird Selbstliebe als Voraussetzung für eine funktionierende Partnerschaft gesehen. Unsere NEU.DE-Beziehungsberaterin Margit Haupt erklärt, was dran ist - und wie man dem Selbstwertgefühl auf die Sprünge helfen kann.

NEU.DE Paarpsychologin Margit Haupt

Paarpsychologen und Coaches sind sich einig: Wenn man sich selbst nicht liebt, ist es schwierig, einen anderen für sich zu begeistern. Immer wieder wird Selbstliebe als Grundlage für eine funktionierende Partnerschaft gesehen. Unsere NEU.DE-Beziehungsberaterin Margit Haupt erklärt, was dran ist – und wie man dem Selbstwertgefühl auf die Sprünge helfen kann.

Frau Haupt, wie wird man selbstbewusster?

Selbstbewusstsein erreicht man dann, wenn man sich selbst kennenlernt, sich mit sich selbst beschäftigt, eben sich selbst „bewusster“ wird. Man kann damit beginnen, indem man sein Umfeld, die Menschen und die Situationen, in die man gerät, einmal anders herum, nämlich als Spiegelbild von sich selbst betrachtet. Wieso zieht man bestimmte Menschen an und trifft mit anderen niemals zusammen? Wieso gerät man wiederholt in bestimmte Situationen? Was hat das alles mit einem selbst zu tun? Im Kontakt mit anderen kann man sehr viel über sich selbst herausfinden. Das Umfeld begegnet uns in der Weise, wie wir nach außen wirken. Es kann sehr interessant und mit einigen Überraschungen verbunden sein, Freunde und vielleicht, wenn man mutig genug ist, auch Feinde zu fragen, wie sie einen wahrnehmen, was ihnen gefällt, was sie nicht mögen. Die eigene Wahrnehmung von sich selbst unterscheidet sich oft stark von dem Bild, das man nach außen trägt. Je bewusster man sich selbst erforscht, umso selbstbewusster wird man. Selbstbewusst zu werden erfordert auch viel Mut, denn z.B. die Persönlichkeitsanteile, die wir in uns selbst nicht mögen und deshalb schwer annehmen können, spiegeln sich oft in unseren Feindbildern wider. Die Zicke, der Angeber, der Streber, die nervige Freundin usw. und die Gefühle, die sie bei uns hervorrufen, weisen uns oft den Weg zu unseren eigenen verborgenen Seiten, mit denen wir in uns selbst hadern. Eine Grundregel ist: In dem, was ich draußen „nicht leiden kann“, dort wo ich in Konflikte gerate, spiegeln sich meine inneren Konflikte wieder. Selbstbewusst werden ist ein Prozess, in dem man lernt, sich selbst ganz anzunehmen und „Frieden mit sich zu machen“. Eine abgerundete Persönlichkeit hat immer eine starke Wirkung nach außen. Äußerlichkeiten spielen dabei keine große Rolle, denn auch der schönste oder reichste Mensch hinterlässt einen schalen Eindruck, wenn man spürt, dass er innen hohl ist.

Wie kann man lernen, sich selbst zu lieben?

Zuerst sollte man sich seine guten, starken und liebenswürdigen Persönlichkeitsanteile bewusst machen und sie klar benennen. Es ist sehr wirkungsvoll, diese auszusprechen, also z.B.: Ich bin zuverlässig, ich bin ein treuer Freund, ich bin eine Kämpferin, ich bin feinfühlig, ich bin mutig, ich habe ein schönes Lächeln usw. Durch das Aussprechen gewinnen die Stärken an Kraft und man verbindet sich mit ihnen. Aber auch die „negativen“ Seiten haben ihre Daseinsberechtigung. In der Psychotherapie gibt es eine gute Methode, mit diesen vermeintlich schlechten Seiten in uns selbst in Kontakt zu kommen, indem wir ihnen eine zeitlang eine eigene Gestalt geben, genau so, wie wenn es eigenständige Personen wären. Man sollte sich zuerst mit den Anteilen beschäftigen, die einem durchaus bewusst sind, z.B. den oder die Faule(n), der/die immer alles auf morgen verschiebt. Geben Sie dieser Seite von sich dann einen Namen, schauen Sie in den Spiegel und stellen Sie Fragen, wie z.B.: Wieso verhältst du dich so? Was versuchst du damit zu vermeiden? Warum bist du so geworden? Welche Unterstützung brauchst du von mir? Was kann ich tun, damit du mit mir an einem Strang ziehst? Wenn man diese „inneren Feinde“ eine Weile „leben lässt“ und mit ihnen bewusst im Dialog bleibt, schafft man eine Verbindung zu ihnen und kann in der Folge ein Mitgefühl für ihr „So sein“ entwickeln. Die meisten „schlechten Seiten“ in uns sind aus Verletzungen, Zurückweisungen und auch aus nicht gelebten Talenten geboren. Man ist z.B. oft neidisch und missgünstig, weil man das Gefühl hat, dass die eigenen Stärken nicht gefördert wurden und man jetzt keinen Weg mehr sieht, diese zu leben. Verletzend oder grausam anderen gegenüber ist man oft bloß aus Angst, selbst verletzt zu werden. Das zu erkennen, schafft Mitgefühl für sich und das ist der erste Schritt zur Annahme. Und diese Akzeptanz ist die Grundbasis auf dem Weg zur Liebe zu sich Selbst.

Wie überwindet man Selbstzweifel á la „Mich kann eh niemand lieben“, „Ich bin schon viel zu lang allein, das wird eh nix mehr“, „Ich bin zu alt/unattraktiv/schüchtern“ etc.?

Man sollte diese Glaubenssätze auf ihren Ursprung hin überprüfen. Bei tief sitzenden Selbstzweifeln, wie „mich kann eh niemand lieben“ kann man sich fragen: Wer hat das einmal zu einem gesagt, wer hat einen das spüren lassen, vielleicht schon sehr früh im Leben? Und hatten diese Menschen vielleicht dieselben Probleme mit sich und haben damit nur versucht, das ganze auf uns abzuwälzen, um sich selbst der inneren Arbeit nicht stellen zu müssen? Manchmal verbirgt sich hinter diesen Glaubensätzen auch eine tiefe Angst vor Beziehungen, die dadurch schon im Vorfeld verhindert werden, weil es dann „sowieso keinen Sinn macht“, sich den anderen zu öffnen. Man kann sich immer sagen: All diese Zurückweisungen, vor denen ich mich fürchte, habe ich schon erlebt und ich bin immer noch da, also was kann schon passieren, wenn ich noch einmal versuche, mich der Liebe zu öffnen? Man sollte nie vergessen, man ist nicht alleine mit seinen Selbstzweifeln, es gibt viele, denen es genauso geht und die die gleichen Ängste vor Zurückweisung haben. Für jedes Alter, für jeden Körper, für jeden Charakter gibt es ein Pendant, das sich vielleicht gerade nach uns sehnt.

Wie wichtig ist Selbstbewusstsein für eine Partnerschaft?

Wenn man nicht selbstbewusst ist, zieht man in erster Linie Menschen an, die aufgrund eigener Unbewusstheit versuchen, ihre Schwächen und Unzulänglichkeiten auf andere abzuladen, um damit scheinbar besser dazustehen und stärker zu wirken. Das gilt auch, und da insbesondere, bei Partnerschaften. Wenn man selbstbewusst, eigenständig und „in sich rund“ wirkt, ist das attraktiv für Menschen, die sich einen Partner auf Augenhöhe und eine Liebesbeziehung mit einem ausgewogenen Geben und Nehmen wünschen.