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Die erste gemeinsame Wohnung – Feuerprobe für die Liebe

LiebeManchmal fragen mich Menschen, wo ich all meine Themen für meine Kolumne herbekomme. Meistens stehe ich schulterzuckend da und sage sowas wie „fällt mir halt so ein“. Heute Nacht (um 4:47 Uhr genau) wurde mir jedoch klar, dass es eigentlich ziemlich oft Menschen in meinem Umfeld sind, die mir meine Geschichten bescheren. So auch die Geschichte dieser Woche, die mir meine neuen Nachbarn geliefert haben.

Das Beispielpaar

Ich habe da also diese neuen Nachbarn. Gesehen habe ich sie noch nie, gehört allerdings schon. Ich nehme an, es ist ein junges Paar (das merke ich an der modernen Balkon-Deko), das seine erste gemeinsame Wohnung bezogen hat – nennen wir sie Klaus und Karin. Ihre Lieblingsbeschäftigungen sind es, tagelang nach 22 Uhr Nägel in die Wand zu hauen und Schränke zusammenzuklopfen, sowie das Spielen diverser Instrumente wie Gitarre, Keyboard und Klarinette (auch gerne erst ab 22:00). Singen tun sie auch gerne nachts, nur Sex haben sie keinen (oder eben sehr viel leiser als sie hämmern, musizieren oder sich unterhalten). Nun ist es also 4:47 Uhr und ich wache auf. Klaus und Karin haben einen Streit. Karin weint und diskutiert hysterisch, Klaus herrscht sie laut an. Ich schäme mich ein bisschen für den Gedanken, mein Ohr an die Wand pressen zu wollen, um sie besser verstehen zu können, und finde mich damit ab, einfach nur in meinem Bett zu liegen, nichts zu verstehen und zu hoffen, dass sie sich bald wieder lieb haben oder wahlweise müde werden. Warum streiten die sich mitten in der Nacht? Kam er betrunken nach Hause? Betrügt er sie? Ist sie einfach nur schrecklich eifersüchtig? Hat sie im Schlaf den Namen eines anderen gesagt? Oder gehen sie sich nach drei Monaten in der neuen Wohnung einfach schon tierisch auf den Senkel? Mein Innerstes will sofort den Sherlock Koffer aus dem Schrank holen und mit der Ermittlung beginnen. Karins herzergreifendem Schluchzen lauschend denke ich an die Liebe, und was so eine erste gemeinsame Wohnung für sie bedeuten kann…

Wir sind soooo(ooo) verliebt

Die meisten Paare, die frisch zusammen sind, sind auch ziemlich frisch verliebt. Es fliegen rosa Herzchen durch die Luft, sie knutschen ständig und müssen sich die ganze Zeit irgendwie betatschen. Das ist unglaublich romantisch, und hat doch einen etwas unromantischeren Hintergrund. Wenn wir uns verlieben, ist das Hirn ziemlich aktiv. Hier wird das Belohnungszentrum aktiv, und versetzt den Verliebten in eine Art Drogenrausch. Durch Ausschüttung von Dopamin, dem „Glückshormon“, schweben die Verliebten auf Wolke sieben und brauchen immer mehr von der Droge, die sie so begehren, dem Partner. Es gibt viele Untersuchungen zu diesem Thema und Fazit ist wohl, dass beim Verliebtsein die gleichen Hirnregionen angesprochen werden, wie bei Suchtkranken. Sind wir verliebt, führt die vermehrte Ausschüttung von Dopamin und auch Adrenalin zu „Symptomen“ wie einem schnelleren Herzschlag, mangelndem Hungergefühl, starkem Bedarf nach Sex und zeitgleich wenig Bedarf nach Schlaf. In diesem Dauerrausch sehen wir unseren neuen Partner als vollkommen und perfekt an. Er hat scheinbar keine Macken, und diejenigen welchen, die uns im Normalzustand vielleicht gestört hätten, kehren wir im Nu zu etwas Positivem um. Ruft er nicht an, wenn wir ihn darum gebeten haben, ärgern wir uns nicht sondern bewundern seine Unabhängigkeit. Da dieser Dauerrausch für den Körper ebenso ein erhöhtes Stresslevel bedeutet, das wir nicht auf Dauer aushalten könnten, reguliert sich unser Körper praktischerweise von selbst, und meist nach ca. sechs Monaten löst sich der Rausch langsam auf, und wir haben wieder eine klare Sicht auf die Dinge. Sozialpsychologen sagen, dass dieser anfängliche Dauerrausch unabdinglich für die Erstehung einer stabilen Beziehung sei und so Fortpflanzung und Nachkommen sichern soll. Würde diese anfängliche Blindheit gänzlich fehlen, und wir würden sofort alle Macken an unserem neuen Partner entdecken, würde es mit unseren Nachkommen wohl schlecht aussehen.

Die erste gemeinsame Wohnung

Nehmen wir mal Klaus und Karin. Die beiden haben sich verliebt. So sehr, dass sie schon relativ schnell beschlossen haben, zusammenzuziehen. Es ist ja im Grunde schon Feuerprobe genug für ein Paar, zusammenzuziehen, denn auf einmal quasi unausweichlich mit einem Menschen in einer Wohnung zu sein, den man sonst nur häppchenweise (und zwar in selbstbestimmten Häppchen) sieht, kann klappen, muss aber nicht. Schon da können wir den Macken nicht mehr so einfach ausweichen wie zuvor. Und nun stelle man sich vor, Klaus und Karin sind noch so verliebt, dass sie bis jetzt die Macken des Anderen noch gar nicht wahrgenommen haben. Alteingesessene Paare wissen meist voneinander immerhin generell, was sie ein bisschen stört, auch wenn sie noch keine Wohnung teilen. Peter lässt immer die Zahnpasta Tube offen, Corinna entfernt nie die Haare aus dem Abfluss, Kai lässt immer dreckige Teller in der Spüle stehen, Patrick stellt seine leere Tasse immer auf statt in die Spülmaschine, Sabine ist zickig, wenn sie ihre Tage kriegt und Melanie grunzt beim Lachen wie ein Ferkelchen. Sie werden darüber also wohl eher nicht sonderlich geschockt sein. Wenn nun aber dieses Verliebtheitsgefühl noch getoppt wird durch das Gefühl der noch größeren Zusammengehörigkeit mit dem Einzug in eine gemeinsame Wohnung, schweben Paare ja quasi auf Wolke 21 oder so. Ich kann mir vorstellen, dass der Fall von da oben ein bisschen mehr wehtut, als der von Wolke sieben. Auf einmal beginnt das glänzende Kartenhaus-Schloss zu bröckeln, und ineinander zusammenzufallen, und wir stehen oft fassungslos vor dem, was noch übrig bleibt. Was können wir dagegen tun?

Zusammenziehen ja oder nein?

Mein Opi (seinerseits bekennender Schwabe) sagte immer „No ned hudla!“. Freideutsch übersetzt würde das heißen: „Immer mit der Ruhe!“. Alles braucht seine Zeit; alles außer Verlieben, das geht meistens innerhalb von Sekunden. Vor allem darf alles eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Wir dürfen uns Zeit nehmen, die Verliebtheitsphase voll auszukosten, uns kennenzulernen, Zeit miteinander zu verbringen, den anderen zu entdecken. Wir dürfen uns Zeit nehmen, uns an die neue Situation zu gewöhnen, die entsteht, wenn das anfängliche Verliebtheitsgefühl ein bisschen abklingt. Erst mal schauen, ob wir mit den Macken des anderen, jetzt wo wir sie so klar vor Augen haben, überhaupt leben wollen. Und wenn wir uns zumindest einigermaßen sicher sind, dass die Partnerschaft, die wir da führen nicht nur Verliebtsein, sondern tatsächlich Liebe ist, und auch ohne das Gefühl eines Drogenrausches überleben kann, dann können wir meiner Meinung nach in Betracht ziehen, eine Wohnung zu teilen. Natürlich gibt es auch hier genug Gegenbeispiele, bei denen es trotz frühem Wohnungs-Sharing hervorragend geklappt hat. Ich bin da wohl mehr so der Typ Mensch, der gerne versucht so weit wie nur eben möglich auf Nummer sicher zu gehen. Wahrscheinlich ist das, was sich jeder Mensch fragen sollte, wenn er sich überlegt mit seinem Partner zusammenzuziehen, ob er das, was ihn jetzt vielleicht ein bisschen stört eventuell auch mal in potenzierter Form aushalten kann – auf Dauer. Nehmt euch ein bisschen Zeit für diese Entscheidung, denn hey… wenn wir mal ehrlich sind, ist diese Umzieherei ziemlich grauenhaft und teuer. Wenn möglich wollen wir also alle so wenig wie möglich umziehen, was für eine ausgiebige Zusammenzieh-tauglichkeitsprüfung spricht.

Eine Garantie dafür, ob die Beziehung weiterhin gut funktioniert, wenn ein Paar zusammenzieht, gibt es wohl nie. Es kann immer besser oder schlechter werden als erwartet. Gleichzeitig können wir uns, indem wir nichts überstürzen und auf unseren gesunden Menschenverstand vertrauen, meistens schon ein ganz gutes Bild machen, ob wir happily in love im Haus mit weißem Zaun wohnen werden, oder ob mit der gemeinsamen Wohnung die Liebe auf der Strecke bleiben könnte. Also gebe ich euch Opi’s Message weiter, und recht hat er damit, wie ich finde: „No ned hudla!“.

xoxo_Carrie-300x201

© by Shutterstock / Nataliia K

 

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