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Single Bells – Die witzig-kuriose Weihnachtsbetrachtung einer Single-Frau

„Driving Home For Christmas“

WeihnachtenAuf der Autobahn A8 Richtung Schwabenland, schwört Mariah Carey trällernd „All I want for Christmas is youuuuuhuhuhuuuuuuouuuuu!“ Mitten im langen uuuuuh wechselt Anna den Radiosender. Nach wildem Senderhopping gelangt Anna schließlich über Last Christmas und Feliz Navidad zu Peter Fox, der ihr voller Inbrunst „Schüttel deinen Speck, ah!“ zuruft. Anna schüttelt alles was man eben als angeschnallter Autofahrer so schütteln kann, und krakelt lauthals mit. Warum in den vier Wochen vor Weihnachten alle Menschen auf einmal so unglaublich gerne kitschige Weihnachtslieder hören, hatte sie sowieso noch nie verstanden. Auch nicht, als sie noch nicht Single war.  Susa und Max sind so ein Pärchen. Bei „All I want for Christmas is you!“ hätten sie sich verliebt angesehen und beim youuuuuu leise mitgesungen und geknutscht. Dabei ist das gar nicht die Wahrheit! Susa wünscht sich eine neue Uhr oder die schicke braune Handtasche, die wir immer im Kaufhaus unseres Vertrauens anhimmeln. Würde Max sich an Weihnachten mit einem Schleifchen um den Hals vor sie hinstellen, wäre der Ärger groß, das ist sicher. Wahrscheinlich finden sie einfach den Gedanken toll, dass sie so tun können, als würden sie und ihre Liebe sich vollkommen genügen. Anna findet das heuchlerisch. Zu Weihnachten wünscht sie sich keinen Mann, sondern eine Anti-Falten-Creme, ein Visitenkartenetui und ein Sachbuch über Psycho-Physiognomie. Kaum hat Peter Fox die letzten Zeilen gerappt, stimmt Chris Rea seinen Klassiker „Driving home for Christmas“ an. Na gut, das geht. Immerhin situationsbezogen. Sofort stellt sich Vorfreude ein. Weihnachten mit ihren Liebsten, für Anna immer noch das Größte.

Harmonie auf Knopfdruck

Weihnachtsgegner behaupten ja immer, dass alle Menschen auf dieser Welt Weihnachten nur nutzen, um einmal im Jahr gekünstelte Harmonie zu leben. Bei Anna war das noch nie so. Sie erinnert sich zurück an viele Weihnachten, die tragisch begannen und eingekuschelt in Muttis Armen endeten. Als sie noch klein war, wurde Anna vor lauter Christkind Aufregung jedes Weihnachten krank. Mutter und Vater waren eifrig bemüht, die Pflege des Kindes, die zeitgleiche Betreuung des kleinen Bruders, sowie das Schmücken des Baumes, das Verpacken der Geschenke und die Vorbereitung des Weihnachtsessen so gelassen wie möglich unter einen Hut zu bekommen. Das klappte selten, verständlicher Weise. Also kippte Jahr um Jahr gegen 18:30 Uhr die Stimmung. Mutter warf alles hin und verkündete, dass Weihnachten ausfallen müsse, die Kinder heulten, und dann irgendwann, als sich alle wieder beruhigten, nahmen sie sich in den Arm und feierten Weihnachten – weil sie sich lieb hatten. Mittlerweile sind Anna und ihr Bruder erwachsen, Weihnachten fällt nicht mehr aus, und sie genießen es schlichtweg, zusammen zu sein. Natürlich gibt es auch heute noch den ein oder anderen kleinen Zwist, weil Annas Vater vergisst den Spritzschutz auf die Pfanne zu legen, während er die Weihnachtssteaks brät, oder wenn ihr Bruder die Hälfte des Schokoladenbaumschmuckes verputzt. Gekünstelte Harmonie gibt es hier niemals. Weihnachten ist ein ganz normaler Tag, nur eben mit Baum und Kerzen.

Same Procedure As Every Year

Als Anna in die Einfahrt ihres Elternhauses einbiegt, bietet sich ihr ein Bild, das ihr so bekannt ist, dass sie unwillkürlich schmunzeln lässt. Ihr Vater versucht unter Einsatz all seiner Kräfte, den üppigen Tannenbaum durch die Vordertür zu manövrieren, während ihre Mutter mit leicht angespannter Miene Anweisungen erteilt. Im Vorbeigehen gibt er ihr einen Kuss auf die Wange.  Das ist Liebe, denkt sich Anna, und seufzt. Wenig später, bei Kaffe und selbstgemachtem Stollen, eröffnet Annas Mutter, dass ihr Bruder dieses Jahr Heiligabend mit seiner neuen Freundin feiert, und die beiden erst am ersten Weihnachtsfeiertag zum Essen kommen. Anna findet das befremdlich, was vor allem an ihrer mangelnden Bereitschaft zur Veränderung liegt. Die kennen sich doch gerade mal ein paar Monate… muss das denn sein? Noch in ihren eigenen Gedanken über richtig und falsch versunken legt ihr Vater ihr tröstend die Hand auf die Schulter und beteuert, wie froh er doch wäre, dass sie immer noch an Weihnachten zu Hause wäre. IMMER NOCH? Die wahrscheinlich gut gemeinte Aussage rutscht Anna direkt in den falschen Hals. Was sie hört ist: „Irgendwann wirst auch du einen Mann finden, bei dem du Weihnachten feiern kannst.“ Schmollend verkriecht sie sich ins Gästezimmer und packt ihren Koffer aus. Auch wenn sie einen Freund hätte, würde sie trotzdem Weihnachten mit ihrer Familie verbringen. Ganz sicher sogar.  Na ja… irgendwie ja trotzdem schön an Weihnachten romantische Zweisamkeit zu genießen. Auch wenn Anna es ungern zugab, ein klitzekleines bisschen wünschte sie sich das vielleicht schon. Sie war doch tatsächlich neidisch auf ihren kleinen Bruder. Der kann nicht mal einen schmutzigen Teller in die Spülmaschine einräumen, aber Weihnachten mit seiner Freundin verbringen. Das, so findet Anna, ist wirklich mehr als unfair. Die kleine Weihnachtsdepression gehört zu den Feiertagen, genau so wie die Tasse Tee, die ihre Mutter Anna bringt, um sie aufzumuntern. Und jedes Jahr ist damit die schlechte Laune verflogen, und Anna macht sich voller Vorfreude daran, den Baum zu schmücken, sowie den Schokoladenbaumschmuck, der Dank der Abwesenheit ihres Bruders noch unangetastet ist, genüsslich aufzuessen.

Kuscheldecke vs. Schneeregen

Auf Anti-Falten-Creme, wundervoll glänzendem Visitenkartenetui und Buch, hatten ihre Eltern noch einen Kosmetiker-Gutschein gelegt. Weil Anna bei all der Arbeit auch mal was für sich tun müsse. Auch Annas selbstgestrickte Weihnachtsgeschenke kamen super an. Zumindest hatte es den Anschein – das reichte ihr. Mit vollgeschlagenem Bauch, einem Glas Rotwein und dem neuen Buch, das ihr beibringt, anhand der Größe einer Nase den Charakter (JA Charakter) eines Menschen zu identifizieren, verkriecht sich Anna auf den großen Ohrensessel neben dem Kamin. Sie genießt die wohlige Wärme, das Knistern der Holzscheite und vertieft sich in ihr Buch.  Kurz schweifen ihre Gedanken ab. Was wohl Fabian macht? Letztes Wochenenden hatten sie sich spontan auf einen Kaffee getroffen, dieses Mal ohne Zwischenfälle, und Anna hatte das Treffen als erstaunlich unterhaltsam empfunden. Was wohl Fabians Gesicht psycho-physiodingsbumsmäßig über ihn aussagt? Markantes Kinn, hohe Stirn, und diese Lippen… Gleich mal im Fachbuch nachblättern, denkt sich Anna noch, als sie sieht, dass ihr Handy wie wild blinkt und Caros Bild auf ihrem Display erscheint. Sollte Caro nicht bei den Schwiegereltern in Frankfurt die mühsam ausgesuchten Geschenke verteilen? „Anna! Sag jetzt nichts, ich muss mich mal schnell abreagieren!“ schnaubt sie ins Telefon. „Rauchst du?“, fragt Anna vorsichtig. „Ja verdammt, ich rauche. Ich stehe auf einem scheiß Autobahnrastplatz am Arsch der Welt im Schneeregen, friere, und rauche. Weil es sein muss verdammt!“. Anna schluckt, schmunzelt heimlich, und hört weiter aufmerksam zu.  Auf dem Weg zu Peters Eltern in Frankfurt, hatte Peter Caro fahren lassen. Weil er faul ist. Caro war wie immer zu langsam gefahren, Peter war wie immer genervt. Da Caro sowieso keine Lust hatte, zu Peters Eltern zu fahren, da seine Mutter beim letzten Mal eine abfällige Bemerkung über Caros Art, mit Peter umzugehen gemacht hatte, war die Stimmung zusätzlich angespannt. Dann Schneeregen, dann falscher Radiosender, dann erneute Kritik an Caros Fahrweise. Dann Rauch aus der Motorhaube. Fazit des Abends ist also, das sowohl Auto als auch Stimmung kaputt sind, Pater beleidigt in der Autobahnraststätte ein Bier trinken gegangen ist und Caro raucht – obwohl sie eigentlich aufgehört hatte. Insgeheim ist Anna in diesem Moment mehr als froh, sich mit dieser Art von Problemen nicht auseinandersetzen zu müssen. Eigentlich sind es nämlich nur Paare, die zu Weihnachten um jeden Preis gut gelaunt sein wollen, und bei denen dann beim kleinsten Konflikt die Bombe platzt. So auch geschehen bei Caro und Peter. Anna weiß wie sie Caro aufheitern kann. „Mein Vater hat Mitleid mit mir, weil ich immer noch Single bin, und hat wahrscheinlich Angst, dass ich irgendwann übrig bleibe. Zudem feiert mein kleiner Bruder Weihnachten bei seiner neuen Freundin. Und ich habe mich vollkommen überfressen, werde morgen zwei Kilo mehr wiegen und habe einen Pickel auf der Stirn. Das wird in den Familienalben verewigt sein. Hilft das irgendwie?“ Als Anna schallendes Gelächter entgegenschwappt, ist sie beruhigt. „DEIN Bruder?? Ich lach mich schlapp! Und du, mein Mäuschen, wirst auch irgendwann den Mann finden, mit dem du dich an Weihnachten streiten kannst.“ sagt Caro, wohl wissend, dass Anna sie richtig verstehen würde. „Ich gehe mal nach meinem Brummbär sehen, vielleicht feiern wir einfach an der Raststätte Esterwalde!“.

Als sie auflegt, muss Anna seufzen. Ist ja schon irgendwie ganz schön. Ein Streit passiert eben mal, schön ist es doch, sich danach wieder versöhnen zu können. Allerdings geht das nur mit dem richtigen Partner, und für Anna ist der eben nicht so leicht zu finden. Annas Blick schweift zum Sofa, auf dem es sich ihre Eltern gemütlich gemacht haben. Ihre Mutter sieht fern (mit Funkkopfhörern, so dass ihr Vater nicht die ganze Ladung Rosamunde Pilcher abbekommt), ihr Vater liest ein Buch. Auch wenn sie sich nicht unterhalten, sind sie sich unglaublich nah. Mit dem richtigen Mann ist dieses Beziehungsding vielleicht ja doch nicht so schlecht, denkt sich Anna, und beschließt, Fabian anzurufen. Irgendwann. Vielleicht. Eventuell könnte sie sich ja noch einmal mit ihm treffen…nur mal um zu schauen, wie es so ist. Ja, das ist eine gute Idee, denkt sich Anna, und sucht in ihrem Buch das Kapitel über Männer mit hoher Stirn. Vorbereitung ist schließlich alles.

 

 © Konstiantyn – Fotolia.com

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