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Single Bells – Die witzig-kuriose Weihnachtsbetrachtung einer Single-Frau

Eine Shoppingtour mit Folgen

ShoppingBraune Winterboots, graue Winterboots, Winterboots mit Fell, ohne Fell, kniehoch, overknee, Ankleboots mit und ohne Absatz, alles da. Anna und ihr „Schuh-Raum“, das ist die Geschichte einer wunderbaren Liebe. Bewusst nennt sie es nicht Schuhschrank, denn ihre Schätze haben mehr verdient als einen öden, schnöseligen Schrank. Annas Schuhe haben einen Raum – in dem sie jeder in seinem eigenen Abteil – brav und geduldig darauf warten können, eines Tages die Chance zu bekommen, das Tageslicht zu erblicken. Letztes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester, als Anna im Aufräumwahn war, da sie zu glauben schien, sich von einigen ungeliebten Exemplaren ihrer Babys zu trennen, würde auf irgendeine Weise eine befreiende Wirkung auf sie haben, schrumpfte ihr Bestand von 132 Paar auf 129. Danach weinte sie einen Abend bitterlich und beschloss, sich in Zukunft lieber von anderen Dingen zu trennen. Fazit dieser Erläuterung ist: Anna kauft gerne ein. Das lässt sich nicht nur an ihrem überaus umfangreichen Schuhbestand festmachen – der drei auf drei Meter große Kleiderschrank (ohne erwähnbaren Platz für auch nur ein einziges, neues Paar Socken) bestätigt diese Annahme. Während Annas Pärchenfreunde, wohl organisiert, wie sie nun eben sind, bereits vor einigen Wochen alle Weihnachtsgeschenke gekauft, verpackt und beschriftet haben, ist Anna selbst in der gleichen Misere wie jedes Jahr: Nicht mal mehr zwei Wochen bis Weihnachten, keine Geschenke, keine Ideen. Ein schlauer Mensch hat mal gesagt, aus Fehlern würde man lernen… nicht Anna. Also schnappt sie sich an einem Samstagmorgen um 8:47 die grauen Wildlederboots, die sie sich letztes Jahr selbst geschenkt hatte, als sie eigentlich ein Geschenk für Mama und Papa kaufen wollte, zieht die Wollmütze tief in die Stirn, greift nach ihrem superschicken Kaffee-To-Go-Becher (er hat die gleiche Geschichte wie die Wildlederboots) und schlendert Richtung U-Bahn. Wenn sie nur früh genug in der Stadt ist, denk sich Anna, wird sie gemütlich durch verlassene Kaufhäuser schlendern, sich inspirieren lassen und spätestens gegen 11:30 mit Susa und Caro den ersten Vorweihnachtsprosecco schlürfen.

Wieder mal U-Bahn fahren

Irgendwann würde Anna in ihrem Job so erfolgreich sein, dass sie einen privaten Fahrer hat. Nie wieder stinkende U-Bahn, nie wieder baggernde Zeitungsverkäufer, nie wieder knutschende Pärchen, denen man nicht ausweichen kann, nie wieder brüllende Kinder. Bis dahin macht Anna weiterhin das, was sie bis jetzt auch immer getan hatte: Dem Zeitungsverkäufer ihren schlimmsten Todesblick schenken, die Musik auf ihrem MP3 Player bis zum Anschlag aufdrehen, Nase im Schal verstecken und hoffen, dass es bald vorbei ist. Als sich die Türen der U2 öffnen, schieben sich Menschenmassen zeitgleich mit Anna in die bereits überfüllte U-Bahn. Wo zum Teufel wollen die denn alle hin? Es ist noch nicht mal neun Uhr! Eingequetscht zwischen einem gerade von der Party heimfahrenden Hipster mit Vollbart und passendem Jutesack und Oma Elfi, die sich lässig auf ihrem Rollator sitzend die neue Ausgabe des Schundromans „Liebesglück unter Palmen“ zu Gemüte führt, beginnt Anna zu ahnen, dass diese Wunschvorstellung eines vereinsamten Kaufhauses eventuell eine Wunschvorstellung bleiben würde. Eine sichtbar gestresste Mutti in den Dreißigern versucht verzweifelt, ihre drei Bälger unter Kontrolle zu bekommen, die im Wechsel nach Kakao, Arm und Nucki quengeln. Manchmal hat Frau dieses Problem ja schon mit ihrem Lebenspartner, denkt sich Anna, als sie an diverse ihrer Ex-Lebensabschnittsgefährten denkt. Anna quengelt keiner voll, sie kann mittelmäßig gelassen von außen zusehen und sich freuen, dass sie nicht die Nächste sein wird, die sich mit dem „Wo-ist-eigentlich-der-Nucki-Problem“ auseinandersetzen muss. Das können Susa und Caro übernehmen. Luftbestäubung ist bei der menschlichen Rasse schließlich immer noch nicht möglich.

Und sie kratzten an den Türen…

Annas Einkaufsmodus an normalen Tagen ist der lässig entspannte. Anna liebt es, durch die Läden zu stöbern, sich jedes Kleidungsstück genau anzusehen, zu kombinieren, anzuprobieren. Mit Leichtigkeit schafft Anna es ebenfalls, volle zwei Stunden durch den Kustermann zu schlendern, in dem es nichts anderes als Haushaltswaren zu kaufen gibt. Das ist auch der Grund dafür, dass Annas Küche mittlerweile einer professionellen Gastronomieküche gleicht (gepresst in sieben kleine Küchenoberschränke). Sollte jemals ein potentieller neuer Lebensgefährte zu Besuch kommen, könnte Anna, wenn gewünscht, von der Crème Brulée über kurzgegartes Fleisch aus dem Schmortopf bis hin zum Lachstartar-Schichttürmchen so ziemlich alles zubereiten, was das Männerherz höher schlagen lässt. Rein theoretisch. An Tagen wie dem heutigen, ändert sich dieser Modus in ein hektisches Rein-Raus-Manöver. Als Anna die Rolltreppe am Marienplatz in Richtung Tageslicht fährt, sieht sie das Grauen direkt vor sich. Um 9:12 Uhr steht eine Menschentraube vor den Türen des großen Kaufhauses am Eck. In den ersten Reihen schubsen sich rüstige Omas und gestresste Mamis hin und her. Es scheint fast so, als hätten all diese Menschen tatsächlich eine existentielle Angst davor, von den abertausenden schimmernd verpackten Artikeln, keinen mehr abzubekommen. Kann ja sein, das Frau Müller, die zwei Plätze vor Herr Maier in der Schlange steht, eine schwarze Amex besitzt und den Laden mit den Worten „Ich kauf das ganze verdammte Kaufhaus!“ betritt. Dann, allerdings wirklich nur dann, wäre für Herr Maier nichts mehr übrig. Und das gilt es wohl zu vermieden. Da Anna damit leben kann, dass Frau Müller eventuell den Laden leer kauft (gibt es eine bessere Entschuldigung, keine Geschenke gekauft zu haben?), biegt sie rechtzeitig ab und  gönnt sich einen superfetten Caramel Macchiato im Coffee Shop ihres Vertrauens. Der Laden ist wie leergefegt. Es scheint als wäre Anna der einzige Mensch auf der Welt, der einen starken Kaffee braucht, um den Shoppingwahnsinn zu überstehen. Troy, der Mann der den Kaffee macht, malt ein Herzchen auf Annas Becher und grinst fröhlich. Wie kann man da noch schlecht gelaunt sein?

Fußreflexzonenmassagegeräte beenden Beziehungen

Eine halbe Stunde später findet Anna sich in der Haushaltswarenabteilung von Karstadt wieder. Papa wünscht sich einen Neun-Liter-Topf, damit er endlich einen ganzen Wirsingkopf auf einmal kochen kann. Deswegen schenkt Anna ihrem Papa so gerne was. Er sagt, was er will, sie kauft es, und alle freuen sich. Mama sagt immer so was wie „aaaaaaaaach ich wünsch mir niiiiichts“. Wenn das „nichts“ mehr als ein i beinhaltet heißt das ungefähr so viel wie „überleg dir gefälligst selbst was, ich bin schließlich deine Mutter“. Also schlendert Anna mit einem überdimensionalen Kochtopf unter dem Arm  durch die Haushaltswarenabteilung. Und dann ist da das Paar bei den Fußreflexzonenmassagegeräten. Beide ungefähr in Annas Alter, irgendwie zwei ziemliche Normalos. Ein dezenter Ring funkelt an ihrem Ringfinger. Verlobt – wahrscheinlich ganz frisch. Vortäuschend, sich für das neuste Damen-Epiliergerät zu interessieren nähert Anna sich vorsichtig. Andere Menschen zu belauschen steht auf ihrer Lieblingshobby-Liste ganz weit oben. Während er (nennen wir ihn Klaus) nun schon seit geraumer Zeit versucht, sie (nennen wir sie Karin) davon zu überzeugen, dass seine Mutter sich viel mehr über einen Gutschein für ein gemeinsames Wellnesswochenende mit ihrem Mann freuen würde, pocht Karin darauf, dass das Fußreflexzonenmassagegerät für schlappe 349,99 Euro genau das Richtige ist. Seine Mutter müsse auch mal was für sich tun. Und massierte Fußreflexzonen, das wissen wir alle, sind unbedingt notwendig für das Wohlbefinden einer Frau in den 60ern. Die Diskussion schwankt thematisch von der Aufarbeitung persönlicher Probleme, die auf das Geschenkfindungsproblem projiziert werden, hin zu unsinnigen Beschuldigungen, die sich sonst wohl nur Teenager an den Kopf werfen würden. Nach fünf Minuten weiß Anna bereits, dass Klaus  immer noch versucht, die Ehe seiner Eltern zu retten und die realistischere Karin sich auf die Seite der Mutter schlägt (deswegen das Massagegerät). Außerdem sollte der Klaus lieber mal der Karin ein Wellnesswochenende schenken, sonst arbeitet er ja auch nicht wirklich intensiv an ihrer Beziehung. Und dann die Kinder seines Bruders… ich sag’s auch, der kleine Tobi ist wirklich ein schrecklich verwöhnter Wurm. Karin will ihm dieses Jahr was Kreatives schenken, Klaus platzt währenddessen der Hut. „Ein Wachsmalkasten?? Sag mal wo lebst du eigentlich? Im Mittelalter??“ schreit Klaus durch die ganze Abteilung. Anna entwich ein leises Lachen. Leider war es nicht leise genug. Mit hochrotem Kopf dreht Klaus sich zu ihr um. Annas erster Todesblick – live und in Farbe. Mit den Worten „Wenigstens einer der Spaß hat!“ dampft Klaus in die eine Richtung ab, Karin in die andere. Wahrscheinlich geht sie zu den Schuhen. Das würde Anna machen.

Das Hervorragende an dieser Situation ist, dass Anna nicht zu den Schuhen gehen muss, um sich abzureagieren. Keiner (außer Klaus) schreit Anna an. Sie kann vollkommen frei entscheiden, ob sie am heutigen Einkaufstag gestresst ist, gelassen, fröhlich oder gereizt. Sie musst sich lediglich Gedanken darüber machen, was der Kreis der Liebsten geschenkt bekommt, und nicht darüber, ob der Sohn der Tochter der dritten Cousine, jetzt wo er schon zwei Zähne hat, noch einen neuen Kauring bekommen sollte, oder doch lieber schon ein sündhaft teures Playmobil-Feuerwehrauto. Mit dem Kochtopf unter dem Arm beschließt Anna, dieses Jahr Geschenke selber zu basteln. Mit Liebe. Schals stricken, das wäre doch was. Wenn das schief geht, kann sie immer noch auf Online-Shopping zurückgreifen. Denn das hier, streitende und gestresste Menschen, überfüllte Läden, nervige Weihnachtsmusik und brüllende Kleinkinder, verdirbt Anna die Laune. Nur schnell weg hier. Und dann hat Anna eine Eingebung.

„Hallo Fabian. Bin in der Stadt, mein Wintermantel ist wasserfest. Wollen wir einen Kaffee trinken?“

 

 

© ChristopherBernard

2 Kommentare

  • Genau die richtige Vorgehensweise 🙂

  • Schön ge/beschrieben. Ich habe ein Ritual welches ich hier an der Zürcher Bahnhofstrasse jedes Jahr mache. 24. Dezember, um 14 Uhr. Man hole sich einen Kaffee im Starbucks, laufe die Bahnhofstrasse herunter und beobachte die ganzen gestressten Menschen. Geschenke in der letzten Sekunde kaufen, Essen für das Weihnachtsmahl, noch auf der Arbeit und zum letzten Termin hetzen. Setze sich auf eine Bank… und zünde sich gemütlich eine Zigarette an. Herrlich entspannend! 😉

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