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Sind Internet-Prinze(ssinne)n besser?

Hat sich bei der Partnersuche eigentlich wirklich so viel geändert, seit es das Internet gibt? Ich finde nicht. Zumindest nichts Grundlegendes. Nach wie vor sind es Angebot und Nachfrage, die die Chancen auf dem Partnermarkt bestimmen. Junge Frauen sind begehrter als ältere. Bei den Männern gilt: Reich und studiert schlägt arm und ungebildet. Wen wundert’s? Da hat das Internet also keinerlei Veränderungen gebracht.

Allerdings haben sich die Kennenlern-Chancen durch das Internet deutlich erhöht und diese Chancen-Vielfalt ist das eigentliche Plus, das ich der virtuellen Partnersuche zuspreche.

Trotzdem habe ich mich während meiner Suche nach Mr. Right von einer Freundin dazu überreden lassen, auch den Weg über die klassische Zeitungsannonce zu testen. Versuch macht klug – und vielleicht sogar glücklich? Hier ein Ausschnitt aus meinem Buchkapitel:Partnersuche – erfolgreicher per Zeitungsannonce

Meine sehr bodenständige Freundin Brunhild mag „diese oberflächlichen Internetkontakte“ gar nicht und ist davon überzeugt, dass die Suche per konventioneller Zeitungsannonce die seriösere und Erfolg versprechendere Variante ist. Natürlich möchte sie mich gerne von ihrer Meinung überzeugen. Wöchentlich bekomme ich deshalb von ihr Ausrisse aus Zeitungen – meist der Süddeutschen – mit der Auflage, mich baldmöglichst darauf zu melden.

„Baldmöglichst“ ist bei Brunhild ein klar umrissener Zeitraum: Nicht direkt in den ersten Tagen nach Erscheinen der Annonce antworten – dann geht ‚frau’ mit ihrem kleinen Brief im Wust der Zuschriften unter, sondern eine Woche später – dann ist die nötige Aufmerksamkeit des Inserenten wieder garantiert.


Ich habe bislang 5 Versuche dieser Art unternommen. Leicht widerwillig, ich bin eher der Email-Typ, aber ein bisschen hat ja auch die altbewährte Zeitungsannonce mit dem Internet zu tun. Freundlicherweise haben die meisten der Inserenten, um die es gleich geht, eine Email-Adresse mit veröffentlicht. Bis auf einen Herrn. In diesem Fall musste ich wohl tatsächlich zu Füllhalter und Briefpapier greifen?! Ich muss leider zugeben: Ich habe tatsächlich verlernt, ordentlich per Hand zu schreiben. Es sieht gruselig aus. Selbst ich kann es kaum lesen!

Ich entschied mich also für einen Kompromiss und habe den Text in den Computer getippt, eine Schrift verwendet, die an Handgeschriebenes erinnert und das Ganze auf edles Briefpapier gedruckt. Ich fand mich genial, bin bei Brunhild aber nur gerade so damit durch gekommen.

3x „Er sucht Sie“ – auf die ‚altmodische‘ Art

Er 1: „Viel verlangt zugegeben! Gesucht wird eine sehr gut aussehende, schlanke Frau mit Stil und Intellekt, Humor, Herzenswärme…..Ich bin Dr., 42, ein sehr attraktiver, dunkelhaariger athletischer Typ….“

Meine Antwort (per E-Mail): „Hallo aus Hamburg. Ziemlich weit entfernt – zugegeben! Abgesehen davon ist „sehr gut aussehend“ immer Ansichtssache. Zur Ansicht deshalb das beiliegende Foto. Den Punkt „schlank“ kann ich – 1,76 m, 42 Jahre– erfüllen. Dazu halte ich mich, wie jeder Mensch, für intelligent, humor- und stilvoll, voller Herzenswärme (direkt unter der kühlen blonden Fassade)… und finde mich dabei unglaublich bescheiden 😉 Liebe Grüße. Judith.“ Ich bekam tatsächlich eine Antwort und sogar meine Bitte, ein Bild mit zu schicken, wurde erfüllt….und wieder zeigte sich die Wahrheit meiner Worte: “Sehr attraktiv ist immer Ansichtssache“.

***

Er 2: „Gutaussehender ER, 40, Akad. Intern. Tätig sucht seine Nr.1. Bist Du selbstbewusst, erfolgreich, 35-45 J., modisch, erotisch und sexy in Business, Sportklamotten und Abendkleid? Du legst Wert auf Dein Äußeres und magst Sport ohne Extreme…sich coachen und unterstützen, Luftschlösser bauen.“

Meine Antwort: „Betreff: „Romantisch-erotische Abende mit facettenreichem Privat-Coach im selbstgebauten Luftschloss. Hallo ZS….X. Eigentlich sollte es gerade mir nicht schwer fallen, einen einfachen Text zu verfassen, da ich beruflich ständig mit Worten jongliere. Aber ins Blaue hinein zu schreiben, ohne sein Gegenüber zu kennen, ist schon etwas seltsam. Die Kurzform von mir – wenn ‚frau’ das bei 1,76 m überhaupt sagen kann: Ich bin Journalistin/ Moderatorin, 42 Jahre, Rheinländerin und lebe seit 5 Jahren in Hamburg, womit wir auch schon beim Grund angelangt wären, warum ich – keinesfalls kontaktscheu – auf eine Annonce in der Zeitung antworte: Das seltsame Verhalten der hanseatischen Großstädter bei der Partnersuche! Viele der geforderten Punkte im Anzeigentext kann ich erfüllen, nur beim Golfen muss ich passen. Solltest Du Dich von meiner Bildzuschrift angesprochen fühlen, freue ich mich auf eine Antwort. Liebe Grüße aus dem hohen Norden. Judith.“Auch hier bekam ich eine Antwortmail mit dem Bild eines mir sehr sympathischen Mannes, der durchaus meinen Geschmack getroffen hätte. Er bat um meine Telefonnummer, natürlich habe ich sie ihm gegeben…..und wenn sie nicht gestorben ist… Kurz: Er hat nie angerufen.

***

3. Inserat:Meine sehr verehrten Damen, ich habe das Glück, einen außergewöhnlichen Menschen meinen Freund zu nennen, denn er ist wahrlich ein großer Schatz. Und diesem Mann möchte ich nun auf diese, wenn auch unübliche Weise eine wunderbare Frau ans Herz legen, denn die Liebe geht ja oft ihre eigenen, unergründlichen Wege. Mein Freund ist einer der letzten, wirklich großen Männer, was er sicherlich selbst so gar nicht sieht. Er ist absolut verlässlich, treu, äußerst großzügig, liebevoll und charakterstark. Selten habe ich jemanden getroffen, der über ein solch immenses Wissen verfügt, dabei jedoch niemals überheblich wirkt. Er ist in den Vierzigern, wirkt aber durch seine jungenhafte, fröhliche Art viel jünger, sportlich, durchtrainiert, genießt sein Leben an seinen superben Wohnorten, u.a. in München. Ob sie nun berühmt oder unbekannt sind, reich oder arm, mit oder ohne Kinder, spielt letztlich keine Rolle, denn nur die Liebe zählt.“

Brunhild war voller Begeisterung, geradezu euphorisch für ihre Verhältnisse. Hier war keine Email-Adresse angegeben und ich sollte deshalb tatsächlich einen ‚richtigen‘ Brief verfassen. Das war der Moment, in dem mir auffiel, dass ich des Schreibens mit Füllfederhalter und Briefpapier nicht mehr mächtig bin und zu dem ‚Computertrick’ gegriffen habe, also das schreibschriftartigste Schriftbild, das mein Computer hergibt, auf das beste Briefpapier, das ich finden konnte, gedruckt habe:

Brief an einen Unbekannten

„Schon die richtige Anrede zu finden, fällt mir schwer. Ein „Hallo“ erscheint mir zu freundschaftlich, ein „Sehr geehrter Unbekannter“ zu kühl. Wie spricht man jemanden an, den man nicht kennt? Vielleicht ein bisschen humorvoll, den O-Ton der Anzeige kopierend, einfach: „Schatz“? Sorry, das ist meine Art Humor, die immer dann auftritt, wenn ich mich auf ungewohntem Terrain bewege. In diesem Fall ist das vielleicht nicht wirklich angebracht.

Angebracht ist aber sicher eine kurze Vorstellung meiner Person. Mein Name ist Judith Alwin. Ich lebe zurzeit in Hamburg, bin aber im Rheinland geboren und arbeite als Journalistin. Ich habe keine Kinder, war nie verheiratet, obwohl meine beiden wichtigen Beziehungen im Leben länger hielten, als die meisten Ehen in meinem Freundeskreis. Letzterer bescheinigt mir das geforderte „gute Herz“ nebst „fröhliche Art“. Ob ich die „bescheidenen Ideen“ ihres Freundes ansonsten erfülle, kann ich selber schlecht beurteilen. „Atemberaubende innere und äußere Schönheit“ liegt im Auge des Betrachters. Schlank bin ich. So was ist messbar! Aber schaffe ich die Hürde „hinreißender femininer Esprit“, gepaart mit „feiner Intelligenz“?

Was mich überhaupt dazu verleitet hat, auf diese Kontaktanzeige zu reagieren, kann ich dagegen sehr leicht beantworten. Wenn ein Mensch sich die Mühe macht, für seinen Freund eine so schöne, mit viel Liebe verfasste Annonce aufzugeben, um diesen Freund glücklich zu machen, dann steckt hinter diesem „außergewöhnlichen Menschen“ wirklich ein „wahrlich großer Schatz“. Es kann also nur eine Bereicherung sein, Sie kennen zu lernen.

Außerdem bin ich neugierig: Wie viele Tonnen Post bekommt ‚Mann’ auf eine solche Annonce….und fallen meine ca. zwei Gramm Papier da überhaupt auf?

Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.

Liebe Grüße aus Hamburg, Judith Alwin“

***

Inserent 3 hatte zwar die größte Anzeige geschaltet, aber leider nicht die Größe, überhaupt zu antworten.

Mein Fazit: Es gibt keinen nennenswerten Unterschied zwischen gedruckten und virtuellen Partnersuch-Anzeigen. Auch hier war von „Gib mir Deine Telefonnummer und Du hörst nie wieder etwas von mir“ bis „Schweigen im Walde“ alles bekannte dabei. Letztlich kommt es immer noch auf die Person hinter den Profilen an und da ist es schließlich egal, für welches Medium man sich entscheidet.

Brunhild blieb aber weiterhin bei ihrer Ansicht und durchstöberte Woche für Woche die „Er sucht Sie“-Kategorie der Süddeutschen. Letztlich hat sie es dann auch geschafft, ihren Traummann über eine Zeitungsannonce zu finden – durch ein besonderes Geburtstags-Geschenk. Eine Annonce, die wir, ihre Freundinnen,  für sie in die Süddeutsche gesetzt haben:

„Ein besonderes Geburtstagsgeschenk für eine besondere Frau gesucht: Einen Mann für unsere Freundin. Sie ist eine attraktive, zierliche Person (1,68 m) mit einer super Figur (Gr. 36) und einem gleichwertigen Charakter („∞“ liebenswert). Es sitzt also nicht nur äußerlich bei ihr alles am rechten Fleck, sondern auch ihr Herz. Dazu ist sie finanziell unabhängig, trotz verschiedener Wohnsitze ortsungebunden, reiselustig und modern in Kleidungsstil und Ansichten. Themen, die ihre braunen Augen unternehmungslustig blitzen lassen, finden sich in der „VOGUE“ genauso wie in der „BRAND EINS“. Dass sie beziehungstauglich ist, hat sie in langjähriger Ehe bewiesen. Mit ihrem Ex ist sie gut Freund und hat einen tollen, erwachsenen Sohn aus dieser Ehe. Ein Abend mit ihr ist immer eine Bereicherung. Versprochen! Deshalb ist sie auch nur in gute Hände abzugeben 😉 Die sollten einem nieveauvollen, weltgewandten, finanziell unabhängigen Herrn gehören, der die Lebenserfahrung von etwa 60 Jahren besitzt und eine derart wunderbare Frau auf Händen tragen würde, auch wenn sie durchaus auf eigenen Beinen stehen kann. Heute feiert unsere Freundin ihren 53-jährigen Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Auch an den Herrn, der ihr Herz erobert. Sie sind in diesem Fall der wahre Gewinner! P.S. Zuschriften gehen direkt an das Geburtstagskind, das sich sehr darüber freuen wird.“

Brunhild lebt heute mit ihrem Traummann, der sich auf diese Anzeige gemeldet hat, in einem Traumhaus in Cannes. Sie ist rundum glücklich. Mir geht es genauso mit meinem Partner, auch ohne Traumhaus an der Cote d’Azur. Dank Internet aber auch ohne teure Annonce. Letztlich ist das „Wie“ nebensächlich. Wir freuen uns beide über unser Happy End. Wichtig ist in jedem Fall, dass man sein Glück aktiv in die Hand nimmt. Ob da nun ein Füllhalter eine Rolle spielt oder die Computer-Tastatur.

Namenszug

 

PS: Übrigens: Im Jahre 1727 gab Helen Morrison, eine alte Jungfer, in der Zeitung ‚Manchester Weekly Journal’ die erste dokumentierte Kontaktanzeige auf. Sie wurde prompt für 4 Wochen ins Irrenhaus gesteckt.

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