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Single Bells – Die witzig-kuriose Weihnachtsbetrachtung einer Single-Frau

Weihnachtsmarktwahnsinn – du schmeckst nach Bockwurst, Baby!

Weihnachtsmarkt_Single„Aaaaaaannaaaaaaaa! Hot Caipi und Käsewurst am Start! Kommste mit aufs Tollwood? Treffen uns um 19:00 an der U-Bahn. Kussis!“ Als sie Susas SMS liest, lümmelt Anna faul mit einer Tasse Tee und dem vor Romantik und Liebestragik nur so triefenden, neuesten Nora-Roberts-Schmöker auf dem Sofa so vor sich hin. Ihre Füße stecken in den kuschlig weichen und überaus trendigen, pinken Aufwärmhausschuhen, die sie letztes Jahr von Mutti zu Weihnachten bekommen hatte. Jetzt raus? Der Blick aus dem Fenster verrät ihr, dass sie außer einer Käsewurst vom Verlassen ihres Sofas keinen Vorteil ziehen kann. Susa, die olle Mistkuh, wusste genau, wie Anna zu ködern ist. Hätte sie was von Nutellacrêpe geschrieben, hätte Anna ohne schlechtes Gewissen ihr Handy in die Sofaritze geschoben und wäre immer tiefer in ihre Liebesschnulze getaucht. Da Susa aber nicht Nutellacrêpe, sondern Käsewurst gesagt hat, steht Anna wenige Minuten später in voller Wintermontur im Hausflur und versucht, die durch die Massen an Lebkuchen, gebrannten Mandeln und sonstigen Schweinereien gefährlich eng gewordene Wohlfühljeans in ihre Stiefel zu stopfen.

Ich bin ich – vollgestopft mit Leckereien

Wieso finden eigentlich alle diesen Winter so toll? Wenn man rausgeht ist es zu kalt, geht man wieder rein, ist es zu warm, und man vergeudet wertvolle Zeit mit dem An- und Ausziehen diverser Kleidungsschichten. Aus Trotz werde ich zwei Käsewürste essen, denkt sich Anna, als sie unter enormem Kraftaufwand den Reißverschluss ihres Wintermantels zuzieht. Ein paar extra Kilos stören wenn dann ja nur sie selbst. Einer der wunderbaren Vorteile, in der Weihnachtszeit Single zu sein. Es ist erlaubt, sich hemmungslos durch alle Essensstände zu fressen und es wird niemand mit einem mitleidigen Blick an deine Wampe fassen, und so etwas sagen wie „Dir hat’s geschmeckt, oder?“. Du kannst getrost zu Hause nur in der Wohlfühl-Pyjamahose rumrennen, die eben diese kleine Wampe vorzüglich verdeckt, denn ob du sexy bist oder nicht, interessiert in dem Moment nur den Nachbarn, dem du beim Post holen begegnest. In Annas Fall ist dieser 57 und Kettenraucher, Sexyness würde ihn wohl überfordern. Und überhaupt… sollte Anna je einen Mann kennenlernen, den sie als passend erachtet, kann er es auch sein, wenn er auch die Pyjamahose mag. Denn auch vollgestopft mit Leckereien ist Anna eine tolle Frau. Eine tolle Frau im viel zu engen Wintermantel, dessen Reißverschluss in einer Tour aufplatzt. Muss ein Fertigungsfehler sein, zumindest fühlt sich Anna mit diesem Gedanken besser. Bleibt der Mantel eben auf.

U-Bahn Geschichten

Wie immer steigt Anna am Hohenzollernplatz in die U2. Wie immer ruft ihr der Zeitungsverkäufer komplimentbehaftete Worte hinterher, und wie immer fragt sich Anna, ob er wohl bei Frau Nummer eintausendvierhundertzweiunddreißig damit Erfolg haben wird. Annas Fensterplatz neben den beiden Damen in den Wechseljahren und dem verliebten Pärchen erweist sich als unterhaltsam. Während Ilse und Gitte, die übrigens auch Single sind, so wie Anna, darüber philosophieren, ob der Karl nun endlich mal seine Frau verlässt (der heiße Feger), oder ob sich auf einem Helene Fischer Konzert ordentliche Männer kennenlernen lassen (die Antwort ist NEIN!), sitzt das Pärchen da und glotzt sich an. Ein gutes Pärchen, denkt sich Anna, sie sind nicht dem Weihnachtsfluch verfallen und können einfach so nebeneinander in der U-Bahn sitzen, und nichts tun. Als Anna den Gedanken zu Ende denkt, beginnt die Knutscherei. Also wendet sie sich wieder Ilse und Gitte zu, deren Geschichten Anna gleichermaßen neugierig und ängstlich machen. Vor ihrem inneren Auge sieht sie sich und eine Freundin, die auch Single ist (hierfür wird sich Anna noch jemand Passendes suchen müssen), in 20 Jahren in der U2 sitzen. Zweiter Wagon von vorne, Fensterplatz. Anna trägt eine Kunstfelljacke, weil das das Einzige ist, was die Speckschwarte noch überdecken kann, und gestikuliert mit ihren hübsch lackierten Fingernägeln (dazu hat sie Zeit) wild vor sich hin, als sie ihrer ominösen Freundin erklärt, dass die Männer, dieses miese Dreckspack, Frauen wie UNS (sie sagt es so laut, dass alle sich umdrehen) gar nicht verdient haben. Theresienwiese, bitte alle aussteigen. Anna schreckt aus ihrem Tagtraum hoch. Ilse und Gitte sind weg. Das knutschende Pärchen auch. So darf es nicht enden. Niemals!

Bockwurst und Glitzerbälle

Mit knurrendem Magen steht Anna auf der Rolltreppe der U-Bahn Station Theresienwiese. Warum muss der bloße Gedanke an Käsewürste nur immer sofort dieses Hungergefühl auslösen. Oben angekommen, sieht Anna ihre Liebsten schon von weitem. Taktisch klug positioniert unter dem übergroßen, wild funkelnden Glitzerball, der von hoch oben die Schneeoberfläche in ein Lichtermeer verwandelt, stehen sie da. Max trägt endlich die Mütze, die ihm Susa in mühsamer Feinarbeit letztes Jahr zu Weihnachten gehäkelt hat. Sie ist wirklich sauhässlich, das muss selbst Anna als beste Freundin zugeben, dennoch trägt er sie. Das ist wohl Liebe. Nach der Begrüßungsbusserei ist Anna bereit zum Aufbruch. Käsewurst heißt die Mission. „Immer cool bleiben Anna, du bekommst deine Bockwurst schon. Wir müssen noch auf die anderen warten!“ Erstens ist es keine Bockwurst, das essen nämlich nur Anfänger, und zweitens: Welche anderen? Caro und Peter sind bei den Schwiegereltern. Kennen wir sonst irgendjemand? „Ach Anna, hab ich dir doch erzählt… mein Cousin ist doch vor kurzem hergezogen, und kommt mit ein paar Leuten vorbei.“ Anna wüsste es genau, wenn Susa das erwähnt hätte. Denn hätte sie es erwähnt, hätte Anna statt wildem Pferdeschwanz die Haare offen getragen und eventuell sogar eine Mütze rausgesucht, die farblich zumindest ansatzweise zum Schal passt. Susas greller Kreischer mit der Aussage „Möööööönsch Fabse! Endlich!“ kündigt das Eintreffen des ominösen Cousins an. „Fabse“ (wie um Himmels Willen kann man einen Menschen nur so nennen?) schlingt seine langen Arme um Susa und sagt etwas, das Anna fast dazu bewegt, sich ein bisschen in ihn zu verlieben. „Wo gibt’s hier Käsewurst? Ich verhungere!“ Das breite Grinsen versteckt Anna gekonnt hinter ihrem Mohair-Schal, als Fabse ihr vorgestellt wird. Susa, findet wie immer die richtigen Worte. „Das ist meine Freundin Anna. Die quengelt auch schon wegen einer Käsewurst. Lass uns gehen!“

Romantik für Fortgeschrittene

Was Menschen an Weihnachtsmärkten so unglaublich romantisch finden, würde Anna wohl nie verstehen. Kaum ist der kleine Trupp 500 Meter ins Getümmel gewandert, würde Anna sich am liebsten wieder auf ihr Sofa verkriechen. Zwar ist das Tollwood ein sehr alternativer Ableger des Touri-Weihnachtsmarkets in der Innenstadt, aber da wo es Glühwein gibt, ist Weihnachtsmarkt. Basta. Zwar besteht hier nicht das Problem, dass man im Gedränge mit Zuckerwatte essenden Kindern zusammenstößt (Zuckerwatte ist nämlich kein alternatives Essen), jedoch werden hier dafür andere Kämpfe ausgefochten. Massen, die sich dicht an dicht um den Stand drängen, der warmgemachte Cocktails verkauft, Menschenmengen, die sich gemächlich durch das große Verkaufszelt schieben um eine mundgestrickte Mütze aus einem Kloster in Indien zu ergattern,… und solche Sachen eben. Anna hasst Menschenmassen, deswegen hasst Anna eigentlich auch Weihnachtsmärkte. Die langsam in ihr aufsteigende Platzangst gepaart mit einem leeren Magen und kalten Füßen, lässt Annas Laune rapide sinken. Als Anna genüsslich den ersten Bissen von ihrer vor Fett triefenden Käsewurst macht, atmet sie auf. Das war nötig. Dabei stört es sie nicht mal, dass das Pärchen, das sich genau neben sie platziert, sich zwischen herzhaften Bissen in eine Riesenbockwurst immer wieder die Zungen in den Hals schiebt. Als der Kerl allerdings irgendwann zu seiner Angebeteten sagt, sie würde so wahnsinnig gut schmecken, ist Anna froh, die Wurst schon gegessen zu haben. Anna würde es niemals zulassen, dass ihr Freund ihr die Wurstreste aus den Zähnen pult. Pfuiteufel, also ehrlich! Manchmal kennen Paare einfach keinerlei Schamgefühl.

Während Anna noch wild mit den Augen rollt, rollt Fabian ebenfalls an – mit heißen Cocktails. „Vorsicht! Heiß und heiß!!“ ruft er als er kunstvoll die randvollen Gläser durch die Menge jongliert. Ziemlich große Hände hat er ja, dieser Fabian, denkt sich Anna, und wenn man ihn Fabian nennt ist es eigentlich schon ein ganz ansehnlicher Kerl. Und höflich ist er auch, hat unaufgefordert Getränke geholt. Nettes Lächeln. Kleiner Bauch… das darf ein Mann haben. Sich dieser kurzweiligen Schwärmerei hingebend hört Anna in scheinbar weiter Ferne den Bockwurstknutscher zu seiner Freundin sagen:“Ick hol uns ma noch eine wa?“. In Zeitlupe dreht er sich um und stößt hier auf den heiße Getränke tragenden Fabian. Anna sieht die Welle auf sie zu schwappen, kann aber nichts weiter tun als sich ihr mit einem langen „neeeeeeein“ entgegenzustellen. Eine Sekunde später sind alle Getränke leer, und Anna ist nass. Immerhin ist es warm – dennoch nass. Großartig, denkt sich Anna, das war’s dann wohl für heute Abend. Fabse überschlägt sich vor lauter Entschuldigungsbekundungen, der Bockwurstknutscher dampft einfach ab. Anna winkt scheinbar gelassen ab, und macht sich dennoch minimal angesäuert auf den Heimweg. Nass und nach Rum riechend. Immerhin hatte ich eine Käsewurst, murmelt sie vor sich hin. Ihr Handy blinkt.

„Anna… es ist mir echt arg, dass du jetzt gehen musstest. Kann ich das irgendwie wieder gut machen? Vielleicht mit einem Kaffee (den ich nicht über dir verschütte, versprochen!)? Grüße Fabian“

 

© drubig-photo – Fotolia.com

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