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Judith Alwin und...

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär‘…

Muss die Realität mit der Vorstellungskraft konkurrieren, dann verliert sie eigentlich immer. Lässt man zu, dass die verlockende Gedankenwelt, in der die ideale Version von Mr(s) Right immer genau das Richtige sagt und tut, die Oberhand gewinnt, dann kann das die Türe zum alltäglichen Glück versperren – zumindest aber dieses Glück ganz schön trüben.

Leider ist im Leben ja kein Probe(er)leben vorgesehen. Wäre es nicht toll, wenn wir die Chancen, die uns so begegnen, erst einmal ein Stück weit ausprobieren dürften und testen, wie sie uns im Alltag so gefallen, ehe wir uns für oder gegen sie entscheiden?

Das hätte dem älteren Herrn, mit dem ich auf einer Weihnachtsfeier ins Gespräch kam, vielleicht das Gefühl erspart, er hätte DIE Chance seines Lebens auf die eine, wahre Liebe schon in frühester Jugend verpasst. Er hatte mit Anfang zwanzig eine bestimmte junge Dame nicht geheiratet, obwohl er sie über alles liebte.

„Du bist zu jung!“, tönte es damals von allen Seiten aus seinem Umfeld. Jeder wusste, dass er mit Sicherheit noch die Richtige treffen würde. Diese Eine konnte es ja nicht sein, denn er hatte ja keinerlei Vergleichsmöglichkeiten. „Diese Frau habe ich aber wirklich von ganzem Herzen geliebt!“ sagt er noch heute – und heute hat er viele Vergleichsmöglichkeiten, denn nachdem diese Beziehung zerbrochen war, suchte er eine sehr lange Zeit nach diesem Rund-Um-Glück, das er bei dieser jungen Frau erfahren durfte. Gefunden hat er es nie wieder!

Natürlich ist er inzwischen längst verheiratet. Seit fast 30 Jahren! Er hat einen Sohn. Ein tolles Haus. Einen schönen Beruf. Gute Freunde. Eine sehr nette Frau  –trägt aber immer noch diesen Schatten der Sehnsucht nach dem Besseren auf seinem Herzen. „Wäre ich damals nicht so feige gewesen!“ bedauert er heute noch diesen Schritt. „Ich hätte sie heiraten sollen, dann wäre mein Leben anders verlaufen!“

Sicher. Anders wäre es gewesen. Vielleicht anders gut? Aber tatsächlich auch besser als das schöne Leben, das er (er)leben durfte und heute hat? Er hat mir das alles ganz offen vor seiner Ehefrau erzählt, die diese Geschichte mit einem verständnisvollen, aber irgendwie auch wissenden Lächeln kommentierte. Wahrscheinlich ist ihr klar, dass der Alltag auch dieser Traumbeziehung viel abverlangt hätte. Dann hätte besagter Herr wahrscheinlich heute gesagt: „Ich habe ganz jung aus Liebe geheiratet. Wir verstehen uns auch gut, aber ich habe das Gefühl, etwas verpasst zu haben, weil ich nie etwas anderes kennengelernt habe. Vielleicht wartete da draußen ja noch die ideale Frau auf mich. Ich habe mich viel zu früh gebunden.“ Wer weiß?

 

Wer gefühlsmäßig auf der Durchreise ist, kommt nie an!

Sicher ist, dass uns das Leben eigentlich nichts wirklich recht machen kann. Präsentiert es uns Mr(s) Right direkt in der unschuldigen Jugend, in der sich unser Herz noch kopfüber, vor allem aber kopflos, in eine Liebe stürzt. Ohne Vorbehalt. Ohne Angst. Dann werden wir spätestens nach der ersten Verliebtheitsphase – die ja, wissenschaftlich gesehen, höchstens sechs Monate dauert – von Zweifeln heimgesucht und uns immer öfter fragen, ob da nicht noch „etwas Besseres“ irgendwo auf uns wartet.

Später – mit vielfach gebrochenem und wieder verheiltem Herzen – haben wir dann die nötigen Vergleichsmöglichkeiten, wissen aber auch um die Kratzer, die jeder Traumpartner im Alltag abbekommt und haben mit diesen Zweifeln zu kämpfen, ob sich dieses Ideal nicht doch bald zu einer hässlichen Fratze verzerren wird.

Dann ist die Frage: Können wir unsere Ängste vor neuem Herzschmerz bändigen und trauen dem Anderen – vor allem aber uns selbst, dass wir richtig entscheiden? Wann ist es richtig loszulassen oder festzuhalten?

Viele Entscheidungen dieser Art stehen im (Lebens)Raum, wenn man auf Partnersuche ist. Gerade, wenn man die ersten Schritte des Kennenlernens in den virtuellen Raum verlegt. Dann scheinen die Möglichkeiten unendlich zu sein.

Ich bin mir sicher, dass es für jeden von uns eine Vielzahl von Lebenspartnern gibt, mit denen wir glücklich sein können – wenn wir uns dafür entscheiden. Sind wir allerdings gefühlsmäßig nur auf der Durchreise, auf „dem Sprung“, dann werden wir nie glücklich – mit keinem der Partner aus der „Ideal-Edition“.

… und wie lautet jetzt die Regel für den idealen Loslass- bzw. Festhalt-Moment, für DIE richtige Entscheidung? Na, erst einmal: Einsehen, dass es ein ideales Leben mit Dauer-Friede-Freude-Eierkuchen-Gefühl nicht gibt. Schließlich herrscht auf unserer Welt generell das Polaritätsprinzip. Das basiert auf einem ständigen Spannungswechsel zwischen Anziehung und Entfernung und gilt natürlich auch für Beziehungen. Ein Auf und Ab in der Gefühlswelt ist also vorprogrammiert.

Ist man sich aber sicher, eine(n) Mr(s) Right gefunden zu haben, dann sollte man auf jeden Fall die oben beschriebene Verliebtheitsphase abwarten. Kann man dann noch behaupten: „Ich liebe diesen Menschen“, was will man mehr? Vielleicht ist es möglich, eine(n) „noch Bessere(n)“ zu finden. Glücklich, glücklicher am glücklichsten? Wer will das messen! Und gibt es davon wirklich eine Steigerungsform?

Ich glaube, dass der nette Herr eigentlich alles in seinem Leben richtig gemacht hat. Er hat eine ideale Frau aus der „Ideal-Partner-Edition“ gefunden. Eigentlich sogar schon die zweite. Er ist mit ihr glücklich. Anders glücklich, als er es mit der ersten geworden wäre. Glücklicherweise hat er aber aus seinem ersten falschen Schritt gelernt und die zweite Richtige dann auch geheiratet. Was will ‚Mann‘ mehr?

 

„Denn die Summe unseres Lebens
Sind die Stunden, in denen wir liebten.“
                                                   Wilhelm Busch, Summa summarum 
 

 Ich wünsche Ihnen viele liebevolle Stunden in dieser Woche.

 

Ihre

 

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Ein Kommentar

  • Ja *seufz*, wie oft ich das schon gedacht habe. Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, wäre das Leben nur halb so schwer. Das ist keine schöne Geschichte wenn der Mann heute noch mit der Sehnsucht nach der ersten Frau/ Freundin lebt. Man sollte Gelegenheiten die sich einem bieten wahrnehmen. Man lebt schließlich nur einmal und warum etwas wunderbares aufgeben nur in der Hoffnung, dass etwas besseres kommen könnte….aber vllt. nie kommt.

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