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Carrie & Bernie on Tour

Ansprechen für Anfänger

Ansprechen_fuer_AnfaengerUnterschiedlicher als mein bester Kumpel Bernie und ich könnten zwei Menschen wohl nicht sein. Bernie, der übrigens eigentlich Bernhard Müller heißt, allerdings findet, dass dieser Name seinem Naturell nicht entspricht, ist der charmante Chaot, der spontan und jederzeit selbstsicher durchs Leben spaziert. Ich bewundere ihn dafür, wie er alles so locker zu meistern scheint. Ich auf der anderen Seite bin vollkommen unspontan, meistens eher schüchtern und Chaos ist für mich ein unvorstellbarer Zustand. Trotzdem mögen wir uns, und können legendäre Abende miteinander verbringen. Wir unterhalten uns ausgiebig über unsere Erfahrungen mit Männern und Frauen, und geben uns fachkundige Ratschläge, die darauf abzielen, unser Single-Leben tatsächlich irgendwann zu beenden. Ich finde ja, jede Frau braucht so einen besten Freund, der ihr ungefiltert und ungeniert mitteilt, was all die Dinge, die sie tut, in einem Mann auslösen. Dass ich mich bei einer Online-Partnerbörse angemeldet habe versteht Bernie zwar, möchte mich aber immer wieder dazu bewegen, auch im echten Leben mal einen Mann anzusprechen. Also starten wir eines Abends einen ungewöhnlichen Wettkampf: Es gilt, während des Besuchs unserer Lieblingsbar, so viele Telefonnummern wie möglich zu ergattern. Wenn es darum geht etwas zu gewinnen, kann ich nicht anders, als mich darauf einzulassen, da ist der Ehrgeiz geweckt. Also ziehen wir los.

Auf ins Getümmel

Ich bin heilfroh, Bernie kurzfristig noch davon überzeugen zu können, das eine etwas größere Bar mit mehr Menschen doch ein viel besserer Ausgangspunkt für unseren Wettkampf wäre als das kleine Freebird, in das wir sonst immer gehen. Getrieben ist dieser Vorschlag natürlich ausschließlich von der Angst, jemand könnte meine überaus peinliche Aktion beobachten und ich müsse mich in Zukunft so dafür schämen, dass ich meine Gin Tonics wo anders trinken muss. Also betreten wir voller Tatendrang das Sausalitos. Ein riesiger Laden, der Jumbo Cocktails zum Happy-Hour-Preis anbietet, ist in meinen Augen genau die richtige Location. Alle sind irgendwie betrunken, und sollte ein Versuch in die Hose gehen, kann ich mich mit Leichtigkeit im Getümmel verstecken. Als wir an der Bar Platz nehmen, lässt Bernie bereits seinen Blick durch den Raum schweifen. „Da sind schon ein paar Schnecken dabei“ brüllt er in meine Richtung und versucht, die laute Musik zu übertönen. Ich sehe mich um, und sehe lediglich Männer, die nicht so wirklich mein Typ sind. Die meisten sind betrunken, oder mit ihrer Freundin da, oder stehen in großen Gruppen zusammen. Leicht wird das nicht, das ist mal sicher. Als ich mich wieder meinem Jumbo-Cocktail zuwende, ist Bernie bereits in ein Gespräch mit der Kellnerin vertieft. Na die Schlauste ist die auch nicht, denke ich mir, und beobachte wie sie dümmlich kichert als Bernie ihr sagt, dass er findet, sie könne gaaaaanz tolle Cocktails mixen. Ich sehe schon, Bernie’s Ansprüche sind deutlich niedriger als meine. „Die ist doch hummelblöd, was willst du denn mit der?“ frage ich ihn, als er seine Nummer auf eine Serviette gekritzelt, und sie ihr mit einem Zwinkern über die Theke geschoben hat. „Süße… du sollst auch keinen von denen heiraten! Einfach mal einen ansprechen, du musst das üben. Wenn dir irgendwann dein Traummann über den Weg läuft, traust du dich nicht, und dann ist das Drama groß. Also los, such‘ dir einen aus!“.

ENE MENE MUH

Ok, ich mach das jetzt. Ich scanne einen Mann nach dem anderen ab und erkenne schnell mein grundlegendes Problem: Ich schaffe es nicht, meinen Kopf auszuschalten. Ein nett aussehendes Exemplar aus einer Männerrunde sieht freundlich zu mir rüber. Als er sich seinem Kumpel zuwendet, offenbart sich mir der Einblick eines überdimensional großen Totenkopfes mit heraushängenden Augäpfeln und Maden, die ihm aus dem Mund kriechen, der in bunten Farben auf seinem Oberarm prangern. Was würde meine Mutter dazu sagen? Er müsste immer einen Pulli tragen, wen er bei uns zu Besuch wäre. Und was machen wir im Sommer? Kommt nicht in Frage. Als würde Bernie meine Gedanken lesen, gibt er mir einen Schubs. „Los, der da mit der hässlichen Totenkopf-Tätowierung – den schnappst du dir!“. Zerknirscht gehe ich auf den Totenkopf-Typ zu und überlege angestrengt, was ich wohl sagen könnte. Spreche ich ihn auf sein Tattoo an? Oder sage ich so was wie „Na? Du auch hier?“? Je mehr ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir, dass es absolut nichts gibt, was ich diesem Mann sagen will und mache auf der Hälfte des Weges kehrt. Als ich zurückgehe, sehe ich, wie Bernie bereits die zweite Frau umgarnt. Wie macht er das bloß? Ich unterbreche die beiden höflich und fordere meine Lehrstunde. „Es spielt keine Rolle was du sagst, Carrie. Hauptsache, du überwindest dich mal überhaupt was zu sagen. Ich gehe jetzt mal aufs Klo, viel Glück!“. Zwischenzeitlich versuche ich es auf Bernie zu schieben, dass ich keine Männer ansprechen kann. Sie könnten schließlich denken, er sei mein Freund. Als sich die Blonde Barkeeperin in mein Blickfeld schiebt wird mir schnell klar, dass es anders herum auch kein Problem zu sein scheint. Wie lange ist Bernie eigentlich auf dem Klo? Eine so lange Schlange kann da nun auch wieder nicht sein.

Sag mir was du trinkst, und ich sage dir, wer du bist

„Tschuldige, darf ich mal?“  höre ich von rechts und ein stattlicher Mann schiebt sich neben mir an die Theke. Ich grinse nett und schweige. Soll ich einfach mal? Was könnte ich sagen? Der Mann umklammert ein aufwändig dekoriertes Cocktailglas und nuckelt hastig an seinem Strohhalm. Ich mach‘s jetzt einfach, ganz lässig und locker. Als ich noch darüber nachdenke, was ich sagen könnte höre ich mich bereits sagen „Das sieht ja cool aus, was du da trinkst, was ist denn das?“. Das sieht ja cool aus? Oh Gott! In Gedanken klatsche ich mir mit der flachen Hand auf die Stirn und freue mich, es im Affekt nicht wirklich getan zu haben. „Sex on the Bitch“ sagt der Mann und betont dabei das „Beach“ tatsächlich wie „Bitch“. Danach sagt er dann nichts mehr.  Ich murmele ein leises „cool“ in mich hinein, und ärgere mich, nichts Schlaueres gesagt zu haben. Aber mal ehrlich… welcher Mann trinkt denn schon Sex on the Beach, und kann es vor allem nicht mal richtig aussprechen? Idiot! Gegenüber von mir drängt sich ein weiterer Mann an die Theke. „Zwei Gin Tonic bitte – mit Monkey Gin und Thomas Henry!“ sagt er und ich werde hellhörig. Mit dem hätte ich ein Gesprächsthema, auch wenn es nur um Gin geht. Besser als nichts. Ich versuche verzweifelt, einen Blick von ihm zu erhaschen, doch als ich mich kurz umdrehe, um den von der Toilette zurückkehrenden Bernie zu begrüßen, macht der Gin-Tonic-Mann sich schon aus dem Staub. Mist. Stolz legt Bernie zwei zusammengeknüllte Zettel mit Telefonnummern auf den Tresen. Der Typ spricht selbst auf der Toilette Frauen an, das darf ja wohl nicht wahr sein! Zwischenstand: 3:0.

Meine Motivation sinkt mit jeder Minute. Bernie pocht so sehr darauf, dass ich mich endlich trauen soll, dass ich irgendwann genervt losziehe, nur um mir sein Gequatsche nicht mehr anhören zu müssen. An der Garderobe hole ich unsere Jacken ab und will gerade zurückgehen, als mir auffällt, wie schnuffig der Mann aussieht, der mir da gerade meine Jacke gereicht hat. Ich kann diesen Abend nicht ohne Telefonnummer beenden. Also nehme ich all meinen Mut zusammen und sage: „Hey… ein Kumpel von mir versucht mich zu zwingen Männer anzusprechen, und eigentlich traue ich mich das gar nicht. Es wäre toll wenn ich wenigstens eine Nummer hätte, dass er mich in Ruhe lässt, würdest du mir alibimäßig deine aufschreiben?“. Ich sehe rüber zu Bernie, wie er breit grinsend an der Bar sitzt und begeistert in die Hände klatscht. „Ich geb‘ dir gerne meine Nummer, aber nur, wenn du mir deinen Namen verrätst, und als Entschädigung mal mit mir einen Kaffee trinken gehst,“ sagt er und zwinkert mir zu. „Deal!“ entgegne ich und schiebe ihm eine leere Serviette zu. „Ich bin Carrie.“ Ehrlich sein, und sich nicht verstellen, kann es wirklich so einfach sein? Stolz gehe ich zurück zu Bernie und präsentiere ihm meine Beute. Vielleicht werde ich tatsächlich mal anrufen…

xoxo_Carrie

 

© Peter Atkins – Fotolia.com

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