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Liebe 2.0

Beziehungsstatus: Heute hier, morgen dort

Wir mailen, wir twittern, wir posten, wir liken, wir taggen, wir sharen, wir whatsappen. Einen Brief haben die meisten von uns schon lange nicht mehr geschrieben. Auch ausgedehnte Telefonate werden zur Rarität. Das Leben im Allgemeinen spielt sich immer mehr auf virtuellen Plattformen ab. Das ist nun mal so, in der heutigen Zeit. So ist das auch mit der Liebe. Liebe 2.0 quasi. Sich online finden, sich online zur Schau stellen. Allen zeigen wen man wie lange und wie intensiv liebt. Wie weit sollte das gehen?

Kompliziert oder intakt?

Nadja M. ist in einer Beziehung mit Roman K. Ich öffne meinen Facebook Account, und mir schwirren tausende Herzchen entgegen. Siebenundneunzig Leuten gefällt das, dreiundfünfzig Kommentare. Alle freuen sich so dolle für Nadja und Roman. Was aus Peter geworden wäre, fragt einer. Wurde aber auch Zeit, wirft ein anderer ein. OMG! So süß dieser Roman – das perfekte Paar. Wahnsinn <3 Ich freue mich auch für Nadja, dass sie scheinbar glücklich verliebt ist. Rein optisch passen die beiden gut zusammen. Ich finde es schön, dass Facebook uns die Möglichkeit gibt, uns für alle Welt sichtbar einem anderen Menschen zuzuordnen. Ich kann stolz sagen „das ist meiner“. Mehr Zweck hat diese Verlinkung jedoch nicht, außer wir nutzen es als „Finger weg!“ Botschaft an alle Konkurrenten da draußen. Bekannte, mit denen wir uns nicht regelmäßig austauschen, bleiben so immerhin auf dem neuesten Stand was unser Liebesleben betrifft. Wer ist verlobt, hat geheiratet, sich getrennt? Vielleicht ist es auch gerade ein wenig kompliziert. Ich versuche mir vorzustellen, wie ich bei jedem Streit mit meinem Herzblatt meinen Beziehungsstatus auf „es ist kompliziert“ ändere. „Carrie ist getrennt von Sebastian“ würde dann da irgendwann stehen (rein theoretisch). Warum Beziehungsstati im wöchentlichen Takt, je nach aktueller Gefühlslage aktualisiert werden müssen, entzieht sich meinem Verständnisradius.

Mitleid und Markierungen

Zwei Wochen später ist es kompliziert mit Nadja und Roman. „Nadja M. hat ihren Beziehungsstatus aktualisiert: Es ist kompliziert mit Roman K.“ steht da auf meiner Startseite. Das gefällt jetzt nur noch siebenundzwanzig Leuten. Ob es ihnen wirklich gefällt? Vielleicht sind sie alle scharf auf Nadja, weiß man ja nicht so genau. Darunter häufen sich mitleidige Kommentare. Süße was ist passiert? Das tut mir so leid! Was für ein blödes Arschloch! Roman liest natürlich alles mit und kommentiert seinen komplizierten Beziehungsstatus mit seiner noch-ein-bisschen-Freundin ebenfalls. „Schatzi bitte verzeih mir!“. Schatzi hat ihm dann verziehen, ist wieder in einer Beziehung mit Roman K. und momentan big in love „mit Schatzi hier: Wellnesshotel Buxtehude“. Liebesurlaub um die Versöhnung zu zelebrieren. Wie sehr die beiden sich lieben, kann nun jeder mitverfolgen. Jeden Tag – mehrmals. Verliebte Knutschbilder beim Warten an der Kinokasse, kitschige Aufnahmen von schmalzigen Postkartensprüchen, auf denen beide mit vielen Herzchen verlinkt sind. Mit Schatzi Lebensmittel einkaufen, mit Schatzi auf dem Sofa Filme schauen, mit Schatzi U-Bahn fahren, mit Schatzi aufs Klo gehen. Ich kann die Schatzi-Spur durch die ganze Stadt verfolgen. Außerdem: Heißt sie nicht eigentlich Nadja?

Schaut her, wir lieben uns

Nadja und Roman sind mittlerweile schon ganze vier Wochen ein Paar. Die erste Beziehungskrise haben sie erfolgreich gemeistert und zeigen nun der Welt umso mehr, wie sehr sie sich lieben. Ich versuche mir einzureden, dass die beiden kein Handy haben, über das sie miteinander kommunizieren können und die Nachrichtenfunktion ihrer Facebook-Accounts kaputt ist. Das würde minimal erklären, warum die beiden machen, was sie machen. Um 6:42 an einem Dienstagmorgen wünscht Nadja ihrem Hasen einen wunderschönen guten Morgen. Sie hat so schlecht geschlafen ohne ihn an seiner Seite, das arme Ding. „Lieb dich für immer“ und „Für immer dein“ sind die Standard-Abschiedsformeln der beiden. Roman vermisst sein Schatzi auch ganz schlimm und freut sich schon so so so so sehr, wenn sie sich gleich an der U-Bahn Haltestelle treffen. „Du bist das Beste, was mir je passiert ist! Ich gebe dich nie wieder her und liebe dich über alles!“ (mit Schatzi hier: Couch). Ich habe wirklich große Schwierigkeiten, das zu verstehen. Die beiden sitzen also nebeneinander auf der Couch und tickern sich gegenseitig Liebesgeständnisse über Facebook hin und her? Ist das die neue Liebe? Was wurde aus tief in die Augen schauen, das Telefon abstellen, um ganz für sich zu sein? Als Nadja und Roman beginnen, auch ihre Auseinandersetzungen öffentlich auszutragen, bin ich raus. Nicht mehr in den Neuigkeiten anzeigen.

Liebe 2.0 – eine abgespeckte Version?

Wenn ich mir die Geschichte von Nadja und Roman so ansehe, stellt sich mir die Frage, wie viel echte Liebe dahintersteckt. Warum hat ein Paar ein so überdimensionales Bedürfnis, vor so vielen Menschen wie möglich immer und immer wieder ihre Liebe zu bekunden? Brauchen sie die ständige Aufmerksamkeit, weil sie sich nicht selbst miteinander beschäftigen können? Ich zweifle an der Echtheit der Sache. Natürlich will ich es in die Welt hinausschreien, wenn ich frisch verliebt bin – mein Glück teilen. Auch ich würde sicherlich ab und an posten, dass ich mit meinem Freund auf einem Städtetrip in Barcelona bin, warum auch nicht? Was mich stutzig macht ist die Übertreibung. Ich habe schon einige Paare erlebt, die in der Öffentlichkeit immer sehr darauf bedacht waren, jedem auf die Nase zu binden wie unfassbar glücklich sie sind, und das eindeutig über ein „normales“ Maß hinaus. In den meisten Fällen hielten diese Beziehungen nicht lange. Woran liegt das? Sind sie so damit beschäftigt nach außen etwas darzustellen, dass sie ganz vergessen, dass es eigentlich viel wichtiger ist, wie eine Beziehung in ihrem Kern funktioniert? Versuchen sie sich einzureden, dass alles perfekt ist, obwohl es das eigentlich nicht ist?

Die Liebe wird oberflächlicher. Wir wollen alles, und das am besten sofort. Es ist kein ungewöhnliches Bild mehr wenn ein Paar bereits nach drei Monaten Beziehung in eine gemeinsame Wohnung zieht, sich sofort verlobt, ja vielleicht sogar so schnell wie möglich Nachwuchs plant. Ist das alles echt? Oder lieben wir nur das Gefühl, das wir für einen kurzen Moment haben? So schnell wie wir von null auf hundert springen, so schnell fallen wir auch wieder zurück auf null. Wo ist noch Raum für das „sich Zeit lassen“? So oft suchen wir den Zuspruch oder das Mitleid Außenstehender, forciert durch geschickt platzierte Aussagen. Sollten wir nicht stattdessen mehr auf uns selbst bedacht sein? Wir haben Angst. Angst zu realisieren, dass Liebe nicht nur Herzchen sind. Angst davor zu erkennen, dass Liebe auch Arbeit bedeutet. Aber warum? Eine echte, innige Liebe gibt uns so viel, dass sie uns für jeden Kampf, jede Bemühung doppelt und dreifach entschädigt. Liebe 2.0 ist eine abgespeckte Version ihres Vorgängers Liebe 1.0, da sie so oft nach außen etwas darstellt, das sie in ihrem Inneren niemals sein kann. Mein Tipp: Re-boot. Auf Werkseinstellung zurücksetzen. Es lohnt sich!

Carrie W. ist in einer Beziehung mit sich selbst. Manchmal ist es kompliziert, meistens ist es ok 🙂

xoxo_Carrie

 

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