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Aus Versehen geküsst

Fremdgehen – wo fängt es an, wo hört es auf?

FremdgehenDa war einmal ein Junge, mit dem ich ging. Der, der mir mit 16 im Sommerurlaub mit seinen von „Die Firma“ geklauten Texten, seiner blondierten Topf-Frisur (weil er aussah wie Nick Carter von den Backstreet Boys) und seinem leichten Flaum über der Oberlippe mein Herz stahl. Der Urlaub endete, die Liebe hielt – Fernbeziehung versteht sich. Als Christian mich eines Tages anrief, um mir erzürnt zu erzählen, dass ihn so eine Frau auf einer Party einfach so geküsst hat, war ich traurig – und naiv. Kann ja mal passieren, dachte ich mir, und verzieh ihm. Wenige Wochen später passierte eine ähnliche Geschichte, nur dann mit nackt sein. Ganz krass sei das gewesen, er war da auf dieser Party und diese Frau (ich könne es mir nicht vorstellen) habe sich einfach nackt ausgezogen und auf ihn gesetzt, ohne dass er auch nur die geringste Chance gehabt hätte, sich zu wehren. Dann machte ich Schluss. Er seinerseits konnte für diese Aktion nur vollkommenes Unverständnis aufbringen. Das war ja nicht Fremdgehen, er wollte es ja gar nicht. Wir sind nie um eine Ausrede verlegen, wenn es darum geht, unsere Missetaten zu entschuldigen. Scheinbar allerdings haben wir alle eine andere Ansicht davon, wann Fremdgehen wirklich beginnt.

Definitionssache

Fremdgehen – von der Gesellschaft verpönt als „das macht man nicht“. Man hintergeht seinen Partner nicht. Man lügt ihn nicht an. Vor allem aber hat man gefälligst monogam zu leben. Immer mal wieder hört oder liest man ja, dass es für den Menschen im Grunde unnatürlich ist, monogam zu leben, und sich somit nur für einen Partner zu entscheiden. Und dann steht da die Frage im Raum: Was ist eigentlich Fremdgehen? Reicht es aus, im Traum laut den Namen eines Anderen zu flüstern? Auf der Straße schönen Frauen und knackigen Männerpopos hinterher zu starren? Beginnt Fremdgehen beim Küssen, beim einmaligen One-Night-Stand? Oder ist es erst richtiges Fremdgehen, wenn wir eine Affäre mit einer anderen Person haben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass diesen Abschnitt nun einige Menschen gelesen haben, und jeder bei einem anderen Grund empört vor sich hin zetert. „Ja ist doch ganz klar, DAS ist Fremdgehen!“, sagt ihr entrüstet mit verschränkten Armen. Aber ist das wirklich so klar? Ist Fremdgehen nicht auch irgendwie reine Definitionssache?

Erwartungshaltung

In einem Artikel habe ich gelesen, dass wohl die meisten Beziehungen aufgrund unterschiedlicher Treueerwartungen zerbrechen. Ich kann nicht anders, als dem zuzustimmen. Für viele von uns, ist die Erwartungshaltung, ein monogames Leben zu führen. Wenn mein Partner mich liebt, braucht er keine andere Frau an seiner Seite, weil ich ihm alles gebe, was er braucht. Wenn sich jemand dazu entscheidet, eine andere Treueerwartung an seinen Partner zu haben, wird er zum jetzigen Zeitpunkt oft noch kritisch von der „Gesellschaft“ beäugt. Sich freiwillig betrügen lassen? Unglaublich! Dennoch ist es ja so, dass wir meistens nur dann enttäuscht sind, wenn unsere Erwartungshaltung nicht erfüllt wird. Meistens wird sie nur deswegen nicht erfüllt, weil wir sie nie kommunizieren. Zu Beginn einer Beziehung sprechen wir über alles mögliche, aber wer setzt sich schon ernsthaft hin und sagt „Ich erwarte, dass du nur mit mir schläfst!“? In einem Zeitalter, in dem knapp 90% der Männer und 75% der Frauen ihren Partner schon mal betrogen haben, wäre es jedoch nur logisch, eine solche Erwartungshaltung mal zu äußern. Wir tun es oft nicht, weil wir uns nicht eingestehen wollen, dass Polygamie immer mehr zum Normalzustand in einer Beziehung wird. Das macht man doch nicht. Und wie so oft im Leben sollten wir auch hier immer mal wieder jene Aussage, die wir so schön mit dem Wörtchen „man“ versehen, auf ihre Richtigkeit überprüfen. Was wir nämlich eigentlich meinen, wenn wir „man“ sagen, ist „ich mache das nicht“. Und wenn wir das auch ehrlich meinen, neigen wir schnell dazu, diese Erwartungshaltung auch auf andere zu projizieren. Und das geht mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit in die Hose.

Trend oder Ernst

Wenn zu mir heute jemand sagt, dass er eine offene Beziehung führt, in der beide Partner mehr Freiheit haben, bin ich erst mal skeptisch. Ich lasse also zu, dass mein Partner mich betrügt? Aber ich betrüge ihn ja auch – und ist es überhaupt noch betrügen, wenn man sich vorher abgesprochen hat? Ich denke das Thema ist ziemlich heikel, denn gefühlt brechen wir in ein neues Zeitalter vor, in dem „offene Beziehungen“ immer häufiger auch publik geführt werden. Entweder gab es das vor ein paar Jahren noch nicht so oft, oder aber es wurde schlichtweg weniger darüber gesprochen. Da wir Menschen in unserem Leben auch gerne mal einfach nur Mitläufer sind, tendieren wir dazu, auch auf solche Züge schnell aufzuspringen. Zu der Zeit, als Millionen Frauen jeden Abend vor dem zu Bett gehen noch 200 Seiten aus dem neusten Shades of Grey Schmöker verschlungen haben, war auf einmal jeder Anhänger der SM Szene. Auf einmal war jeder total heiß darauf, sich den Popo versohlen zu lassen; aber wie echt ist das? Das Gleiche frage ich mich bei Partnerschaftsmodellen, die auf Monogamie keinen gesteigerten Wert legen. Ist das immer echt? Was ich nämlich so höre ist alles andere als echt: Der Mann darf, die Frau nicht, das wäre dann ein Trennungsgrund. Pärchen einigen sich auf eine offene Beziehung, und einer geht daran zu Grunde. Natürlich entscheidet jeder für sich selbst, ob er sich darauf einlassen will. Keiner muss das tun, denn das Bett nur mit einem Partner teilen zu wollen ist genau so ok, wie das Gegenteil.

Absprachen treffen

Über das Thema Treue und Fremdgehen zu Beginn einer Beziehung zu sprechen ist somit quasi ein Muss. Jeder soll sein Liebesleben so ausleben dürfen, wie es ihm gefällt, jedoch nicht und niemals auf Kosten anderer. Ein Paar, das von ganzem Herzen hinter einer offenen Partnerschaft steht, klare Regeln ausspricht und Grenzen setzt (und diese auch einhält) ist so bestimmt glücklicher, als eingeengt in einer monogamen Beziehung. Wenn hier gewisse Grenzen überschritten werden, ist das ebenso ein Trennungsgrund, wie wenn der Hans, der in einer monogamen Beziehung lebt, auf dem Sommerfest die Conny statt seine Frau mit zum Knutschen aufs Klo nimmt. Somit ist wohl alles „nicht fremdgehen“ was im Rahmen der Absprachen liegt, wie weit auch immer dieser Rahmen definiert sein mag. Wo es für mich persönlich aufhört ist immer dort, wo Menschen ihre Partner hintergehen. Mit hintergehen meine ich ohne Absprache, ohne Wissen, lügen, betrügen. Vielleicht mache ich es mir einfach, wenn ich das so sage, aber wenn der Mann seinen Hosenstall oder die Frau ihre Beine nicht zu lassen kann, ist Monogamie vielleicht schlichtweg nichts für sie. Aber statt ehrlich dazu zu stehen, tun sie so als wären sie der liebende Partner, und betrügen dann was das Zeug hält.

Da Polygamie gesellschaftlich immer noch nicht mit großer Freude entgegengenommen wird, ist es sicherlich eine Überwindung, offen dazu zu stehen. Ebenfalls entgehen einem so bestimmt einige Chancen, so viel ist sicher. Wenn wir uns überlegen, ob uns ein Partner reicht, oder ob wir auf mehrere nicht verzichten können, sollten wir uns immer Fragen: Ist es mir so wichtig, dass ich es auch meinem Partner zugestehen würde? Bin ich in der Lage, mich an das zu halten, was ich von meinem Partner verlange? Die besten Beziehungen sind dann wohl die, in denen ein Gleichgewicht herrscht, in denen miteinander gesprochen wird, in die ein gutes Stück Arbeit gesteckt wird und vor allem in denen man sich jeden Tag aufs Neue bewusst macht, wie glücklich man sich schätzen kann, einen solchen Partner an seiner Seite zu haben.

xoxo_Carrie

© gosphotodesign / Shutterstock

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