Registrieren Login

Socke oder Schlüpfer?

Die Schubladen unseres Alltags – Ein Liebeskiller?

Liebe_in_die_Schublade_steckenBlau zu blau, T-Shirt zu T-Shirt. Stolz stehe ich vor den weit geöffneten Türen meines überdimensional großen Kleiderschranks. Neben mir ein Berg längst hinfälliger Altlasten. Das grässliche T-Shirt mit dem lila Paliettenstern auf der Brust. Jeans, in die mittlerweile nur noch meine Unterschenkel passen. Wahnwitzig gemusterte Caprihosen, die von allen Seiten wohl nur noch missgünstig als „so was von vorletzte Saison“ beurteilt werden würden. Vor mir die geliebte Ordnung – alles hat seinen Platz, fein säuberlich sortiert nach Farbe und Form. Ich bin mir bewusst, dass dies von meinen Chaos-Kleiderschrank-Freundinnen mit einem unauffälligen Augenrollen hingenommen wird. Die haben doch keine Ahnung. Mein Handy summt. Seit ich mich wieder aktiv auf diversen Dating-Portalen umsehe (nach der Pleite mit Martin erst recht), füllen sich meine Postfächer endlich wieder mit Nachrichten. Auch wenn die Ausfallquote immer noch recht hoch ist, finde ich doch immer wieder die ein oder andere nette Unterhaltung. Eine Nachricht von Frank. Der ellenlange Text scheint zunächst nett, doch nach dem vierten oder fünften Satz schwindet mein Interesse. Das schreibt der doch bestimmt jeder. Löschen.

In Schublade zwei wartet auf Sie…

…Frank, der einfallslose Bankangestellte ohne das gewisse Etwas, aber mit Bausparvertrag und Katze – schießt es mir in den Kopf als ich mein Kleiderschrank-Projekt so betrachte.  Was wenn Frank sich seine Nachricht tatsächlich nur für mich ausgedacht hat? Wie unrecht tue ich ihm, wen ich ihn innerhalb von Sekunden in die Schublade „einfallsloser Kerl“ schiebe? Und viel wichtiger noch: Warum mache ich das eigentlich? Banale Dinge, wie ein vorbildlich aufgeräumter Kleiderschrank bringen mich dazu, die essentiellen Fragen des Lebens zu überdenken. Verrückt. Also gehe ich zurück, und lese mir die vielen unbeantwortet Nachrichten in meinem Postfach durch. Holger, 34, schreibt irgendwas von schönen Augen und tollem Lächeln. Seine Nachricht ist gespickt mit *gg* und „lol“ und übermäßig vielen, sehr fragwürdigen anderen Smileys. Warum bedient sich ein Mann einer solchen Sprache? Ist er vielleicht noch kein richtiger Mann? Bestimmt begrüßt er mich zu unserem ersten Date mit einem pfiffigen YOLO. Die „noch-nicht-im-echten-Leben-angekommen-Schublade“ schließt sich. Nächste Nachricht: Jonas 36. Ich flippe durch seine Bilder. Er mit Hund – wirklich süß. Brille, Anzug, Lächeln. Gefällt mir. Er neben einem Pferd. Dann folgt die Porsche-Bilderserie. Jonas im Porsche, Jonas neben dem Porsche, mit offener Tür, mit geschlossener Tür. Uuuuuh das kann ich ja leiden, diese Proleten, die gleich mal zeigen müssen was sie alles haben. Meistens die, die dann gekränkt sind, wenn man sie fragt ob es ihr eigener Porsche ist und sich echauffieren, man sei oberflächlich und materialistisch.  Die „Proleten-Schublade schließt sich“. Ich mache es tatsächlich, oft, eigentlich fast immer. Menschen in Schubladen schieben. Innerhalb von Sekunden.

Hilfe! Ich will hier raus!

Wir neigen dazu, die Menschen um uns herum in Sekundenschnelle zu beurteilen. Wir sehen sie an, hören was sie sagen, und meinen, sie genauestens einschätzen zu können. Ich habe mich schon oft gefragt warum das so ist. Eine Verhaltensweise, die wir uns aus Faulheit, uns mit Menschen auseinanderzusetzen, angeeignet haben? Ein Weg, sich selbst über die anderen zu stellen um sich überlegen zu fühlen? Wir werden oberflächlicher, auch in der Partnersuche, wozu das Internet als Medium sicherlich einen großen Teil beiträgt. Ich klicke mich in wenigen Minuten durch hunderte von Profilen, und entscheide über Ja oder Nein, lediglich basierend auf einem kurzen Blick.  Ist das fair? Oder ist das einfach die Realität der virtuellen Liebe? Dass man Glück haben muss, und der Richtige aus irgendeinem Grund auf meinem Profil hängen bleibt. Ich weiß nicht, wie viele Männer mich schon aus den unterschiedlichsten Gründen ad acta gelegt haben, und ich werde es auch nie erfahren. Wir erschaffen uns künstliche Kategorien und es ist uns fast unmöglich, uns aus diesen zu befreien, wie ein Reflex, den wir nicht steuern können. In der obersten Schublade schreit Jonas um Hilfe. Er will raus. Er will lieber neben dem Schrank stehen und ein bisschen von allem sein. Er fühlt sich nicht wohl in der Schublade mit all den Adiletten tragenden Proleten, die ihre Karren nur fahren, weil ihnen im Leben sonst nichts wichtig ist. Denn er ist anders als die. Und ich? Ich habe mir das Recht genommen, ihn mit den anderen gleichzusetzen, und das ohne überhaupt zu wissen ob das gerechtfertigt ist.

Umräumen, um frei zu sein

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass ich mir selbst mit dieser Art des Handelns am wenigsten einen Gefallen tue. Testosteron-Toni ist es herzlich egal, ob ich ihn in eine Schublade stecke, denn er wird es nie erfahren. Aber ich persönlich schränke mich ein. Ich begrenze bewusst die Anzahl an möglichen Partnern auf das Minimum, das ich nicht auf den ersten Anhieb wegschieben kann. Wie erfolgreich das in der Vergangenheit war, wissen wir alle.  Und der einzige offensichtliche Grund für mein Verhalten ist Faulheit. Das kann es nicht gewesen sein. Es wird Zeit, die Schubladen neu zu sortieren. Also tippe ich eine Nachricht an Jonas. Seit dem sind nun zwei Wochen vergangen und ich ertappe mich dabei, wie ich jedes Mal, wenn mein Handy summt, unwillkürlich lächeln muss. Jonas macht mir Komplimente, bringt mich zum Lachen und scheint nicht auf der Suche nach dem superschicken, blonden Mäuschen zu sein, das ich ihm zu Beginn zugeschrieben hatte. Vielleicht treffe ich ihn mal, und überzeuge mich live davon, ob ich recht oder unrecht hatte. Manchmal muss man eben aus Gewohnheiten ausbrechen, um zu finden, wonach man sucht.

Mutig lege ich die letzte, einzelne, grüne Sportsocke in die Unterwäscheschublade. Ganz zufrieden bin ich nicht damit, muss aber trotzdem lächeln als ich feststelle, dass ihr Gegenstück mir hier zwischen Schlüpfern und BHs bereits entgegenstrahlt.

xoxo_Carrie

photo credit: CmdrCord via photopin cc

Sag uns deine Meinung


Singles warten auf Sie Anmelden
Herzlich Willkommen

Hier werden Eure Herzen höher schlagen. Guckt durchs NEU.DE-Schlüsselloch: Erfahrt mehr über die Menschen hinter der Singlebörse, interessante Neuigkeiten rund um seriöse Partnersuche und Online-Dating. Findet  in den Erfolgsgeschichten heraus, wie sich NEU.DE-Paare gefunden haben. Außerdem bringen wir Euch zu exklusiven Events und bieten immer wieder viele spannende Aktionen!

Kennenlernen könnt Ihr Euch nach wie vor auf unserer Online-Dating-Plattform NEU.DE, daran ändert sich nichts.

Hier findet Ihr unsere Netiquette.

Die Köpfe hinter Herzklopfen

Was gibt es Schöneres als Erfolgsgeschichten?

Ihr habt euch mit NEU.DE verliebt?

Erzählt uns eure Geschichte
Aktuelle Videos
© 2018 Redaktion: NEU.DE GmbH