Registrieren Login

Stöbern in der Jugend

Secret Diaries – als die Liebe noch anders war

Liebe_damals_und_heute„Duhuuu Carrie…“ sagt meine Mutti am Telefon. Ich weiß, dass sie was will. „Jetzt wo du umgezogen bist, kannst du doch auch mal deine übrigen Kisten aus unserem Keller zu dir nehmen, oder? Dann haben wir mehr Platz.“ Mutti und ihre Kisten. Der Keller meiner Eltern eignete sich bis dato hervorragend zum Abstellen diverser Übrigbleibsel. Jetzt habe ich keine Ausrede mehr, sie dort zu lassen, also karre ich alles zu mir. Ich bin mir nicht mal sicher, was sich in diesen Kisten befindet. Ich öffne eine und wühle darin herum. Mir fällt eine Bravo Hits Best of 95 in die Hand. Jetzt dämmert es mir: Erinnerungskisten! Das muss zelebriert werden. Ich lade Marlene ein, mache eine Flasche Prosecco auf, lege die Bravo Hits CD ein, und zu den wummernden Beats von Scooter öffnen wir die erste Kiste.

The Secret Diaries of Carrie W.

Die Tatsache, dass meine beste Freundin Tati und ich am gleichen Tag zum ersten Mal unsere Periode bekommen haben, nahm ich zum Anlass, ein Tagebuch zu schreiben. Eröffnet wird es mit dem Satz: „Habe meine Tage bekommen. Ist eigentlich ganz cool, aber auch nervig.“ Was genau daran cool war, weiß ich heute nicht mehr. Ich lese Geschichten von Jungs, an die ich mich nicht mal mehr im Entferntesten erinnern kann. Eines haben sie alle gemeinsam: Es ist die große Liebe. Tati geht mit Giese, Paula geht mit Oli und Matzi kann sich nicht entscheiden ob sie mit Tobi oder Michi gehen soll. Klein Carrie ist auch verliebt. In regelmäßigen Abständen gibt es ein Update (in Listenform) in welchen Jungen ich im Moment verliebt bin. An oberster Stelle steht immer der, den ich am meisten liebe. Dazu herzergreifende Illustrationen à la „Alex und Carrie 4-ever love“. Es ist so unglaublich romantisch!

Das Biest in mir

Während ich lese stelle ich erschrocken fest, dass ich mal ein Biest war. Ein berechnendes Miststück, und das mit 14!! Jetzt bin ich, was Liebesdinge angeht, so gar nicht berechnend, deswegen bin ich umso geschockter als ich die Geschichte lese. In Jakob war ich mal verliebt. Von ihm bekomme ich damals meinen ersten Kuss. Irgendwann zerbricht die Liebe. Dann geht Jakob mit Tati. Auch wenn Tati meine beste Freundin ist, stört mich das recht wenig, da ich ja mittlerweile schon wieder in mindestens fünf andere Jungs verliebt bin. Nun gestaltet es sich aber so, dass Jakob die Tati böse verarscht. Heimlich ist er nämlich auch in Paula verliebt, schreibt ihr Briefe und geht mit ihr in der Pause zum Bäcker (die Sau!). Dann macht er mit Tati Schluss. Für meine Freundin kämpfe ich wie ein Löwe, ist ja klar. Dann passiert Folgendes: „Jakob ist immer noch ein bisschen in mich verliebt. Ich habe ihm einen Brief geschrieben, dass ich wieder mit ihm gehen will und er hat ja gesagt. Ich will gar nicht mit ihm gehen, aber ich mache das jetzt eine Woche und dann mach ich wieder Schluss, so wie er es bei Tati gemacht hat. Dann sieht er mal wie das ist, wenn man so verarscht wird!“ Bin ich nicht eine wahre Freundin? Ich war mir nicht bewusst, dass so viel bösartige Energie in mir steckt, oder zumindest steckte.

Ver- und entlieben – das ewige Spiel

Wisst ihr noch, wie es damals war? Ich nehme mal zum Vergleich den Standard-Leidensweg einer erwachsenen Frau. Bis wir uns verlieben, dauert es oft ein ganzes Weilchen. Ganz zu schweigen von Liebe. Wir denken nach, wägen ab, sind vorsichtig und zurückhaltend. Wir haben uns schon so oft in etwas hineingestürzt und sind enttäuscht worden. Es fällt uns immer schwerer, dieses Verliebtheitsgefühl zuzulassen. Werden wir verlassen, leiden wir oft wie die Hunde – wochenlang. Wir sind der festen Überzeugung, alleine sterben zu müssen. Und damals? Damals haben wir nicht nachgedacht. Die Tatsache, dass ein Junge süß war, reichte vollkommen aus um ihn zu lieben. Und das natürlich nicht einfach so, sondern über alles und auf jeden Fall für immer. Hat man Schluss gemacht, war das der Weltuntergang. Das Leben ist am Ende, ohne Sinn, trostlos und traurig. Wir haben literweise Tränen in unsere Diddl-Mäuse geweint, und waren der festen Überzeugung, es würde niemals mehr einer kommen, der so ist wie er. Alles gleich sagt ihr? Nein! Denn als ich so in meinem Tagebuch blättere, lese ich Folgendes: „Es ist aus mit Alex. Ich kann gar nichts schreiben, weil ich so heulen muss. Er hat einfach mein Herz rausgerissen. Ich weiß nicht was ich machen soll, ich liebe ihn doch so sehr!“ (27.02.1996). Tragische Geschichte… Nächster Eintrag: „Ich liebe Alex nicht mehr so doll weil jetzt liebe ich Werner. Der spielt Schlagzeug in unserem Orchester und ist soooo süß! Ich geh jetzt mit ihm. Werner 4-ever!!“ (01.03.1996). Wenn man die Daten mal genauer betrachtet, stellt man fest, dass mein Leidensweg aus der großen Liebe zu Alex exakt zwei Tage lang war. Liebe on, Liebe off. Und so weiter und so weiter…

Egal was – Hauptsache intensiv

In der Jugend war alles intensiv. Wir liebten intensiv, litten intensiv, lebten intensiv.  Ich erinnere mich an diverse Urlaube mit meiner Freundin Nina, in denen wir uns regelmäßig Hals über Kopf verliebten. Eigentlich war ich das meistens… Wir haben Freundschaften geschlossen und zwei tolle Wochen miteinander verbracht, irgendwo auf einer griechischen Insel. Der Tag der Abreise ist von jedem Urlaub noch präsent. Alle stehen vor dem Bus zum Flughafen, aus den Lautsprechern dröhnt „time to say goodbye“ von Andrea Bocelli. Die Dramatik des Augenblicks zu vertiefen, haben die Mitarbeiter des Hotels hervorragend gemanagt. Also sagten wir goodbye und heulten wir die Schlosshunde. Im Bus auf der Fahrt zum Flughafen, am Flughafen, im Flugzeug und weil es so schön ist noch eine Runde ins heimische Kopfkissen. Nicht mal nur wegen unserer großen Urlaubsliebe, die wir zurücklassen mussten, sondern auch wegen der Freunde, die wir gewonnen hatten.  Aber danach hielten wir viele Jahre Kontakt, wie selten ist das heutzutage noch?

Ein bisschen von damals im Jetzt

Wenn das Leben jetzt doch nur auch ein bisschen so sein könnte. Natürlich gehen wir mittlerweile verantwortungsbewusster mit dem Wort ‚Liebe‘ um. Wir sagen es nur, wenn wir es uns ganz genau überlegt haben. Wenn es wirklich der richtige Zeitpunkt ist, wenn wir uns 100%ig sicher sind. Bei all dem Sich-Gedanken-Machen vergessen wir leider oft, auf unser Gefühl, unsere innere Stimme zu hören. Hat uns früher jemand enttäuscht, waren wir verletzt. Zu Recht. Aber es war uns wichtiger, für ein neues gutes Gefühl Platz zu schaffen, als uns im Selbstmitleid zu suhlen. Also haben wir es einfach abgehakt. Ich für meinen Teil sollte auch öfters mal abhaken. Warum sich ewig und drei Tage mit demselben leidigen Thema aufhalten, wenn es mir nichts als schlechte Laune beschert? Einfach mal einen Haken dran machen und nach vorne schauen. Ob wir in unserem Jetzt ein bisschen von dem Zauber der Jugend haben können, entscheiden wir selbst. Wir haben es in der Hand, alles kaputtzudenken, genau zu analysieren, abzuwägen und zu verkomplizieren, oder… es einfach zu lassen. Es zu lassen, und wieder mehr Bauchgefühl zu haben.  Und wenn wir verletzt werden? Dann ist es eben so. Es ist sowieso unvermeidbar. Aber bis jetzt haben wir es alle überlebt, oder?

xoxo_Carrie

 

© olly – Fotolia.com

Sag uns deine Meinung


Singles warten auf Sie Anmelden
Herzlich Willkommen

Hier werden Eure Herzen höher schlagen. Guckt durchs NEU.DE-Schlüsselloch: Erfahrt mehr über die Menschen hinter der Singlebörse, interessante Neuigkeiten rund um seriöse Partnersuche und Online-Dating. Findet  in den Erfolgsgeschichten heraus, wie sich NEU.DE-Paare gefunden haben. Außerdem bringen wir Euch zu exklusiven Events und bieten immer wieder viele spannende Aktionen!

Kennenlernen könnt Ihr Euch nach wie vor auf unserer Online-Dating-Plattform NEU.DE, daran ändert sich nichts.

Hier findet Ihr unsere Netiquette.

Die Köpfe hinter Herzklopfen

Was gibt es Schöneres als Erfolgsgeschichten?

Ihr habt euch mit NEU.DE verliebt?

Erzählt uns eure Geschichte
Aktuelle Videos
© 2018 Redaktion: NEU.DE GmbH