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Anspruchsvoll oder töricht?

Singles auf der Suche nach dem Traumpartner

image001Wenn ich jetzt spontan unten in der Fußgängerzone 50 beliebige Frauen nach ihrem Traumpartner fragen würde, liefe ich danach mit zwei schwerbepackten Säcken nach Hause. Im einen befinden sich Dreitagebärte, Bauchmuskeln, blonde Wuschelhaare, glänzende Augen, Knackpopöchen, etliche Vin Diesels und George Clooneys und auch der ein der andere David Beckham. Im anderen tummeln sich Treue (in Massen), Humor, Selbstständigkeit, Bodenständigkeit, die Fähigkeit auch mal die Stirn zu bieten, aber gleichzeitig auch Verständnis und Toleranz. Würde ich nun beide Säcke ausschütten und Inneres und Äußeres vermischen, würde er vor mir stehen – der Traumpartner. Den könnte ich dann quasi von Fleck weg heiraten, Kinder mit ihm bekommen, und mein Leben lang glücklich sein. Nun, wie wir alle wissen, bin ich Single. Diesen künstlich aus möglichst vielen hervorragenden Attributen und Eigenschaften zusammengestellten Partner dann auch irgendwo zu finden, ist nämlich so eine Sache. Meine allerliebste Lieblings-Schriftstellerin Ildiko von Kürthy hat mal in einem Interview folgenden schlauen Satz über das Suchen und Finden eines Traumpartners gesagt:

„Es gibt keinen Traumpartner. Man selber ist ja auch keiner. So einfach ist das. Wenn man sich das klar macht und den Mut hat, törichte Hoffnungen aufzugeben, kann man einen Partner finden.“

Für uns nur das Beste

Welchen Partner wollen wir? Natürlich den Allerbesten der Allerbesten, ist ja wohl klar! Es geht schließlich um uns, und da wir selbst so unglaublich super sind, muss natürlich auch unser Partner unglaublich super sein. Nun ist es ja immer so, dass wir nur das von anderen erwarten sollten was wir auch selbst erfüllen können. Wenn ich von anderen erwarte, dass sie pünktlich sind, sollte ich das auch selber sein. Erwarte ich, dass andere mir zuhören, wenn ich Probleme habe, sollte ich auch hin und wieder ein offenes Ohr für sie haben. Erfülle ich diese Erwartungen nicht, wird meine Erwartung irgendwann keiner mehr ernst nehmen. Wie ist das denn nun mit der Suche nach dem Traumpartner? Wir suchen etwas, aber können wir das überhaupt selbst mitbringen? Und wenn wir es nicht selbst mitbringen können, wie können wir es dann von unserem Partner erwarten? Ziemlich deutlich wurde mir dieses Szenario, als meine Freundin Kate sich bei mir beschwerte, dass ihr die Lache ihres neuen Freundes so dermaßen auf die Nerven ginge, dass sie es kaum noch ertragen könne. Immer lache er so wahnsinnig laut und so grell, dass man sich fast die Ohren zuhalten wollen würde. Ich sehe sie an, und kann mir gerade noch so verkneifen, sie darauf hinzuweisen, dass sie wenn sie lacht, klingt wie ein rückwärts hustendes Meerschweinchen, dem gerade die Kehle zugehalten wird. So sollten wir uns also irgendwie bewusst machen, welche kleinen Ecken und Kanten wir selbst haben, und welche wir im Gegenzug auch bei unserem Partner akzeptieren und lieben könnten.

Warum wir keine Abstriche machen wollen

In der heutigen Zeit, in denen uns die Partnersuche durch Online-Dating deutlich erleichtert wird, befinden wir uns ebenfalls auch aktiver auf der Suche. Wo wir früher noch viel mehr den „wenn-du-nicht-suchst-wirst-du-finden-Ansatz“ gelebt haben, suchen wir heute aktiv. Wir durchforsten Online-Profile und machen es wie Aschenputtel: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfen. So in der Art. Starwarstrooper81 raucht ab und zu und hört gerne Marianne Rosenberg – weg mit ihm. Kuschelbär – wer sich so nennt… weg mit ihm. Peter macht regelmäßig Sport und besitzt einen Hund – der kommt in die engere Auswahl. So erarbeiten wir uns, mal mehr mal weniger bewusst, eine stattliche Liste an Eigenschaften, die ganz oder gar nicht gehen. Und natürlich, wenn man schon mal in Gedanken seinen Traumpartner zusammenbasteln darf, lässt man Eigenschaften wie „schnarcht nachts fürchterlich“ und „ist nur schwer dazu zu bewegen einen Urlaub zu planen“ großzügig aus. Und nun, da wir Zugriff zu diesem riesigen Pool an Singles haben, schleicht sich bei uns natürlicherweise schnell der Gedanke daran ein, dass ja, wenn der eine nicht so ganz unseren Vorstellungen entspricht, noch ziemlich viele andere potentielle Traumpartner auf uns warten. Und die wiederum könnten ja rein theoretisch unsere Erwartungen voll erfüllen. Warum also Abstriche machen? Wir geben uns ja schließlich unglaublich viel Mühe bei der Partnersuche, und haben somit auch verdient, dass diese Mühe mit einem Traumpartner belohnt wird, oder? Oder macht das eventuell gar keinen Sinn?

Warum wir noch Single sind

Die Schwierigkeit an der Suche nach dem Traumpartner ist, dass nicht nur wir auf der Suche nach ihm sind, sondern auch die andere Seite. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir, wenn wird aus diesem Pool an potentiellen Partnern einen abbekommen wollen, ja auch irgendwie Traumpartner sein müssen. Sind wir das? Von mir selbst denke ich natürlich, ich sei die Traumpartnerin schlechthin. Ich bin verständnisvoll, kann einigermaßen gut kochen, bin nicht wesentlich eifersüchtig, genügend spontan, manchmal romantisch, gut im Bett, und in den meisten Situationen ziemlich entspannt. Macht mich das perfekt? Für den einen vielleicht, für den anderen nicht. Dem anderen gefällt eventuell mein (klitzekleines) Speckröllchen am Bauch nicht. Kann auch sein, dass ich ihm zu klein bin, oder er morgendliche Schweigsamkeit auf den Tod nicht ausstehen kann. Und schwupps, bin ich keine Traumfrau mehr. Folglich suchen da draußen nun also Männlein wie Weiblein ihren Traumpartner und haben keine Chance, sich zu finden, weil sie alle selbst keine Traumpartner sind. Deshalb sind wir Single, es ist ein Teufelskreis.

Der Mutige gibt nach

Um einen Partner finden zu können müssen wir also mutig sein, unsere wohl törichten Hoffnungen (zumindest zu Teilen) aufzugeben. Ich denke man kann es hier durchaus Mut nennen, denn schließlich ist in unserer Vorstellung die Zukunft mit einem Traumpartner perfekt, und im Gegenzug die Zukunft mit einem nicht so perfekten Partner eben nicht so perfekt. Wir gehen also gefühlt ein ganz schön großes Risiko ein, wenn wir unsere Erwartungshaltung herabschrauben. Vor kurzem habe ich einen interessanten Satz gelesen, in dem es darum ging, man solle anstatt den Traumpartner zu suchen lieber einen Partner für die eigene Traumbeziehung suchen. Und genau das ist es: Wir konzentrieren uns so sehr darauf, wie dieser Mensch, mit dem wir unser Leben teilen wollen sein muss, dass wir oft ganz vergessen, dass die wesentlichen Dinge, die wir uns in einer Beziehung wünschen davon oft vollkommen unabhängig sind. Soll unsere Beziehung aufregend, spontan, und leidenschaftlich sein? Oder lieber häuslich, sehr eng und vertraut? Und ist es dann nicht egal, ob der Mann, der uns genau das bieten kann blond oder brünett ist? Ist es dann nicht egal, ob er jeden Tag unaufgefordert den Müll raus bringt oder ob wir ihn vielleicht ab und an dazu ermutigen müssen? Ein bisschen überzogen natürlich, wohl wissend, dass den Müll rauszubringen wohl DAS Streitthema Nummer eins unter Paaren ist. Doch wenn wir so mutig sind, unsere törichte Hoffnung auf einen perfekten Partner aufzugeben, ist das Mutigste daran wohl die Tatsache, dass wir und selbst eingestehen, nicht perfekt zu sein.

Ich denke es täte uns gut, uns immer mal wieder zu ermahnen. Zu ermahnen, mit anderen nicht so hart ins Gericht zu gehen und ihnen zumindest eine Chance zu geben. Ist hier die Metapher des Rohdiamanten zu kitschig? Wohl definitiv, aber verwenden muss ich sie trotzdem. Würde er vor uns auf der Straße liegen, würden wir unachtsam an ihm vorbeigehen, nur weil er auf den ersten Blick nicht funkelt und glänzt. Trotzdem kann er unendlich wertvoll sein. Zudem ist nicht alles Gold, was glänzt… ich habe schon so viele Paare gesehen, die ihr Glück mit dem vermeintlichen Traumpartner gefunden haben. Vermeintlich, weil eben dieser auf den dritten und vierten Blick im Grunde ganz schön von der Traumvorstellung abgewichen ist. Die, die heute immer noch zusammen sind, sind es nur, weil die Beziehung, die sie führen für beide Seiten perfekt ist… und jedes „perfekt“ ist eben ein bisschen anders.

xoxo_Carrie

© Jeanette Dietl / Shutterstock

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