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Von Frauen und Männern und dem Beschützerinstinkt

Es war einmal ein Mädchen, deren Großmutter lehrte es, hübsch, brav und ein bisschen hilfebedürftig zu sein, so dass sie möglichst bald von einem Mann erwählt und geheiratet würde. Um das Interesse des Mannes auf sich zu ziehen, war es dringend von Nöten, seine Stärke zu huldigen und somit seinen Beschützerinstinkt zu wecken. In einer Zeit, in der die klare Rollenverteilung zwischen Mann und Frau die war, dass der Mann das Überleben sichert und die Frau nur kleine Hilfsaufgaben übernimmt, war es wohl auch dringend nötig, dass die Frau brav ihre Rolle erfüllt, um am Ende nicht alleine dazustehen. Das war damals, lange vor unserer Zeit. Mittlerweile sind die Frauen emanzipiert, können sich gut alleine ernähren, sind emotional weitaus stärker. Trotzdem sind so viele von ihnen immer noch Single. Wenn ich so über Frauen und Männer und die ganze Emanzipationssache nachdenke, komme ich nicht umhin mich zu fragen: Sind wir noch Single, weil uns keiner mehr beschützen muss?

Wollen vs. Brauchen

Zwischen „einen Mann wollen“ und „einen Mann brauchen“ liegen Welten – für mich zumindest. Ich zähle mich zu den Frauen, für die ersteres gilt, was für mich so viel heißt wie: Es wäre wirklich sehr schön, wenn einer da wäre. Um Zweisamkeit zu genießen, sich auszutauschen, gemeinsam viel zu erleben, viel Sex zu haben und zu knutschen. So ungefähr. Schon irgendwie auch brauchen, aber eben auch ohne auskommen können. So wie die Kirsche auf dem Sahnehäubchen oder die Streusel auf dem Schokoeis. Frauen, die einen Mann wollen, sind meist die von der selbstständigen Sorte, und oft sind es deren Mütter, die ihnen beigebracht haben, auf eigenen Beinen zu stehen. Einen Mann tatsächlich dem Wortlaut nach zu „brauchen“ ist für mich etwas ganz anderes. Für mich hat das oft etwas damit zu tun, dass eine Frau sich selbst nicht genug ist, eine Leere verspürt ohne den Mann an ihrer Seite. Sie ist hilflos und oft unfähig, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen ohne jemanden, der ihr den richtigen Weg weist. Von dem Mann an ihrer Seite ist sie oft abhängig, denn was sollte sie nur ohne ihn tun? Ich stelle mir immer vor, wie da eine Frau sitzt, die mit zwei riesigen Rehaugen zu einem Mann aufschaut und in Babysprache so was wie „Bitte hilf mir! Ich kann das nicht alleine!“ sagt. Und dann gibt es noch die, die sehr wohl alles alleine schaffen, im Grunde mit beiden Beinen im Leben stehen und sich mit der Zeit in einwandfreiem Schauspiel geübt haben. Das hilfebedürftige Rehkitz zu sein, spielt dieser Frauentyp nämlich nur vor – um sich einen Mann zu angeln. Sind diese Frauen einfach schlauer als ich?

Beschützerinstinkt

Nun brauchen wir hier nicht mehr über Evolution sprechen. Der Mann war schon vor Jahrtausenden derjenige, der das Mammut erdolcht hat, seine Familie vor wilden Raubtieren beschützte und mit bloßen Händen töten konnte. In der heutigen Zeit ist der Mann als solcher schlichtweg verweichlicht. Nicht nur, dass die meisten seiner Artgenossen kein Feuer mehr ohne Feuerzeug und Brennspiritus machen kann, nein, es kommt noch viel schlimmer! Der Mann von heute ist (meist) kultiviert, ganzkörperrasiert, trägt Hosen, die seiner Männlichkeit nicht zuträglich sein können und geht zur Maniküre. Nicht alle natürlich, aber wenn wir mal ehrlich sind, die richtig männlichen Männer werden zur Rarität. Nun finde ich es nicht unglaublich schlimm, dass ich nicht jeden Tag von einem Haufen brüllender, dreckiger Neandertaler umzingelt bin und weiß ein gewisses Maß an Verweichlichung im Vergleich zum Original durchaus zu schätzen. Nun ist das einzige, das scheinbar bei den meisten Exemplaren erhalten bleibt, der Beschützerinstinkt. Da nun ja die meisten sehr männlichen Merkmale verschwunden sind, scheint es mir, ist es eben genau dieser Instinkt, der nicht mehr natürlich hervortritt sondern willentlich gepushed wird. Frei nach dem Motto: „Bevor ich gleich zum Wimpern zupfen gehe, muss ich mir schnell noch eine suchen, die ich ein bisschen beschützen kann, dass ich mich nicht ganz so sehr für den Verlust meiner Männlichkeit schämen muss!“. Überzogen, ja ich weiß, doch ich beharre auf diesem Punkt. Der Mann vor tausenden von Jahren beschützte seine Frau und seine Familie weil er sich tatsächlich um sie sorgte. Der Mann von heute fühlt sich zunehmend zu den zerbrechlichen, hilflosen Frauen hingezogen, weil es irgendwie spannend ist. Was soll er denn mit einer, die eh alles alleine kann? Ist ja langweilig, da wird er ja nicht mal richtig gebraucht.

Für immer mein Bodyguard

Ich kann’s ja nachvollziehen. Der Mann will gebraucht werden. Die Frau hat ihm schon so viel genommen, macht mittlerweile die gleichen Jobs, ist genauso erfolgreich und wenn es ganz dumm läuft verdient sie sogar mehr, da ist es zunehmend schwer das starke Geschlecht zu sein. Und generell finde ich das Bild von der starken Schulter zum Anlehnen auch ziemlich reizvoll. Nun stelle ich mir mal vor, ich sei ein Mann und hätte mir nun diese Frau geangelt, die mich immer wieder im Dunkeln lässt über ihre Gefühle, die Probleme hat, bei denen ich ihnen helfen muss, mich entscheiden lässt, mich als ihren Retter auf ein Podest hebt und mich anhimmelt. Super Gefühl. Aber will ich das für immer und ewig? Ist das Material, aus dem lange Beziehungen gemacht sind? Will ich immer der Einzige sein, der etwas kann, der etwas macht, der etwas entscheidet? Und das ist der Punkt an dem ich als Mann (rein theoretisch) den Haken erkennen würde. All dieses Rehkitz-Getue wird vielen nämlich nach einer Weile auch überdrüssig. Ein Leben lang der Bodyguard von jemand sein muss doch auch nicht sein, zumal der Mann von heute gar nicht mehr dazu gemacht ist, ein Leben lang zu beschützen. Dann sehnt der Mann sich nach einer Frau, die ihm ebenbürtig ist, auf einer Augenhöhe, die ihm die Stirn bieten kann. Blöd nur, dass er die nicht kennenlernen wollte, weil die Herausforderung nicht groß genug war. Man sollte meinen, die Tatsache, dass einige Männer sogar wissen, dass sie ihr Leben lieber mit einer selbstständigen Frau verbringen würden, sollte sie dazu befähigen auch das Kennenlernen einer solchen Frau in Erwägung zu ziehen. Pustekuchen. Einmal nicht hingeschaut, und schon sitzt das nächste Häschen auf seinem Schoß, das ihn total verwirrt, was ihn unglaublich ärgert, wovon er aber trotzdem nicht ablassen kann… wegen irgendwelchen Instinkten.

Wenn das so weitergeht, sehe ich mich noch alleine sterben, ganz ehrlich. Mein Vorschlag wäre also, beide Seiten machen einen kleinen Schritt aufeinander zu. Ich für meinen Teil versuche euch Männer ein bisschen mehr zu brauchen, zum Beispiel hängen in meiner Wohnung immer noch keine Lampen, weil ich keine aufhängen kann und mich bisher noch nicht aufraffen konnte, jemanden zu fragen. Ihr Männer für euren Teil könntet uns ein bisschen entgegenkommen und auch Rehkitze in Erwägung ziehen, die schon alleine stehen können. Ihr wisst was ich meine. Glaubt mir, auch in einer Partnerschaft mit einer selbstständigen Frau werdet ihr genug Möglichkeiten finden, sie zu beschützen und werdet vor mehr als genug Rätsel gestellt, auch wenn das auf den ersten Blick nicht immer den Anschein haben mag.

xoxo_Carrie

© Shutterstock / ostill

6 Kommentare

  • Interessante sichtweise…ich finde es schade das die heutige frau nur noch stark sein darf und in der öffentlichkeit keine echten gefühle zeigen kann .nach meiner erfahrung sehen männer in solchen frauen einfach eine mutterrolle kein wunder das solche frauen männer anziehen die sich durchfüttern lassen wollen.(ist nicht böse gemeint)wenn eine frau in einer beziehung die hosen anhat nimmt sie automatisch die mutter rolle an….Ein mann kann aber auch nicht richtig mann sein in der heutigen zivilisation es wird ihm aberzogen.wenn ich jedem meiner instinkte freien lauf lassen würde und das jeder mann machen würde würde die erdbevölkerungszahl drastisch sinken und unser system nicht mehr funktionieren

  • Ich war auf der Suche nach einem Artikel über den Beschützerinstinkt. Warum ?
    Weil ich als Mann nun Klarheit haben wollte, welches die Dinge sind, die mich meine eigenen Probleme vergessen lassen und mich emphatisch beschützend für den anderen werden lässt.
    Ich darf dir widersprechen. Als Mann „sortiere“ ich aus.
    Stell dir doch mal die Frage, was dem Mann heute noch geboten wird. Er lebt in einer Welt, in welcher er dauernd ein „must have“ besitzen muss. Sicherlich früher waren es andere „must haves“ die er besitzen musste ansonsten wurde er vom Tiger gefressen. Heute gibt es diese gefährlichen Raubtiere nicht mehr, dafür die Frau die unentwegt an seine „must haves“ erinnern möchte, immer neue stellt, sodass Man(n) Frau nicht mehr wirklich ernst nehmen kann. Meiner Meinung ist deine genannte Verweichlichung des Mannes eine Folge aus der Emanzipation der Frau. Diese Bewegung hat den Feierabend des primitiveren aber deutlich härteren Mann eingeläutet. Der Mann (nicht alle) macht andere Erfahrung. Ich habe eine andere Vorstellung vom Leben als Mann des 21. Jhrd. . Die Prämisse meines Lebens sind nicht mehr die Arbeit, die Frau und dann die Kinder. Ich
    möchte vielseitig erleben, meine Kinder nicht erziehen lassen sondern selbst erziehen und nicht nur als mahnende Instanz wie es das Männerbild vorschreibt. Mich unabhängig machen von Frau und ihrem möglichen Wohlgefallen, welches sie für mich übrig haben könnte, sodass ich gewillt bin ein Männerbild abzugeben, welches ihren Vorstellungen entspricht.
    Ergänzend komme ich zu dem Entschluss das Frau einfach nicht auf die Emanzipation des Mannes klar kommt und den wahren Macho raushängen lässt , frei nach dem Motto : “ Ich darf alles, du nichts. Ich breche jetzt mit dem Rollenbild aber wenn du das machst bist du kein Mann mehr“

  • Oh ja der Artikel bringt es auf den Punkt. Manchmal habe ich das Gefühl die Rollen werden vertauscht. Ich bin eine starke Frau, die sich aber auch nach Zweisamkeit sehnt, auch mal eine starke Schulter braucht. Aber Männer die das zu bieten haben wollen mich nicht kennen lernen “ Hilfe Augenhöhe“ Dafür ziehe ich magisch diejenigen an, die ein Dach zum unterschlüpfen suchen und sich durchfüttern lassen wollen.

  • Ja, auch mir spricht der Artikel sehr aus der Seele. Ich lebe und bewältige mein Leben sehr gut, wünsche mir aber Zweisamkeit. Mich muss keiner retten. Aber ich habe auch keine Lust, Männer retten zu müssen, die kommen leider seltsamer weise auf mich zu.

  • Im Berufsleben stehe ich meine Frau, aber privat möchte ich mich auch fallen
    lassen können,die Entscheidungen mal jemandem überlassen, mich einfach anlehnen und Frau sein, bis ich dann wieder in der Firma bin und alles allein entscheiden, verantworten und bewältigen muss.

    Gruß

    Annette

  • Der Artikel spricht mir aus der Seele.
    Ich bedaure nur, dass man Mann nicht mehr Mann sein lässt und Frau nicht Frau.
    Bzw. jeden so, wie er/sie eben ist.

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