Freundschaft Plus: Sex unter Freunden

Da stehen sie nun, Seite an Seite. Emma und Adam. Sie kennen sich seit der Kindheit und nun? Nun nimmt er ihre Hand, wortlos. Nur eine Geste, die sagt: du und ich – bis ans Ende der Welt. The End. Und dann ist auch noch ER derjenige, der gekämpft und nicht locker gelassen hat. Meine extragroße Portion Schokoladeneis und ich sitzen aneinandergekuschelt vor dem Fernseher und die Tränen kullern. Wenn schon Schnulze, dann richtig. Hollywood hat es mal wieder geschafft. Wunderbar romantisch, schrecklich kitschig, unfassbar unrealistisch und dennoch – wiedererweckte Hoffnung auf ein persönliches Happy End.

Hollywood Dreams

Freundschaft Plus ist nicht der erste Hollywood Streifen, der sich mit dem Thema „Friends with Benefits“ beschäftigt. Ashton Kutcher und Natalie Portman, Justin Timberlake und Mila Kunis. Sie alle lassen uns glauben, dass eine heiße Affäre mit dem besten Freund oder der besten Freundin nicht nur unfassbar praktisch ist, sondern ebenso in einer wundervollen Liebesgeschichte enden kann. Wir Mädchen sind ja furchtbar anfällig für so was. Wir sehen, wie die beiden sich langsam annähern und scheinbar unkompliziert wilde Stunden miteinander verbringen. Natürlich gibt es auch Probleme; Was wäre ein guter Hollywood-Schnulz ohne die typischen „ich-will-sie-aber-sie-mich-nicht-und-dann-umgekehrt-Szenen“? Aber dann, wenn jeder für sich mal den anderen nicht wollte, siegt am Ende die Liebe. Hach.

Wir könnten doch mal…

Generell wird heutzutage die Institution „zwanglose Affäre“ zum Trend, und das in jeder Variation. Warum? Ich denke, weil die Menschen immer mehr Angst davor haben, sich fest an jemanden zu binden. Weil sie lieber erst einmal keine Verpflichtungen eingehen möchten, um sich dann (wenn nötig) relativ unkompliziert aus der Affäre ziehen zu können. Ist nicht so, als hätte ich das nicht schon einmal getestet. Mike und ich haben uns fast ein Jahr lang sexuell beglückt. Mehr allerdings auch nicht. Keine Freundschaft, kein Liebeshappyend.

Freundschaft plus bietet hier zunächst etwas mehr Komfort. Ich teile mein Bett mit einem Menschen, der mit vertraut ist, den ich sehr gut kenne. Zudem kann ich weiterhin meine Freizeit mit ihm verbringen. Wie das Freunde eben so machen. Eine optimale Lösung für Singles, die vorerst solche bleiben möchten, und trotzdem körperliche Nähe suchen (und das nicht von einem Wildfremden). Eine optimale Lösung in der Theorie. Funktioniert das auch in der Realität?

Freundschaft plus Herzschmerz?

Mal so erklärt: Mann und Frau sind befreundet. Warum? Es lässt sich relativ logisch erklären, dass Mann und Frau dann befreundet sind, wenn sie sich auf partnerschaftstechnischer Ebene nicht treffen können. Sonst wären sie wohl keine Freunde, sondern Partner. Diese Art der Freundschaft tendiert erfahrungsgemäß nicht zum Experiment Freundschaft Plus. Warum auch? Hier wäre wohl die Freundschaft an sich viel zu wertvoll, um sie für ein kurzweiliges sexuelles Erlebnis aufs Spiel zu setzen. Ebenso sind Mann und Frau von Zeit zu Zeit befreundet, weil der eine den anderen heimlich begehrt, dies aber nicht erwidert wird. Eine gute Freundschaft ist besser als nichts oder? DAS sind die Kandidaten.

Der Verliebte der beiden schleicht sich durch Sex näher an den anderen heran, und versucht ihn so für sich zu gewinnen. Meistens – mal wieder klischeebelastet, aber dennoch wahr – ist das die Frau und der berühmte Gedanke “Wenn er erst einmal herausfindet, wie toll es ist mit mir, entscheidet er sich sicherlich um“ . Natürlich sind wir absolut entspannt, zumindest versuchen wir es. Wir sind die gute Freundin und wilde Liebhaberin. Wir lassen Freiräume noch und nöcher, der Prinz soll ruhig erst einmal annehmen, das wäre in einer Beziehung mit uns auch so. Wir Mädchen sind taktisch klug, das muss man uns lassen. Aber manchmal auch so schrecklich naiv. Hand aufs Herz – wie oft hat diese Methode bis jetzt funktioniert? Niemals? Und dann am Ende stellen wir fest, dass sich der Traummann trotz heißer Bettakrobatik nicht an uns binden will. Und am Ende heult einer, das ist doch nicht schön.

Lasst die Hosen zu

Ich möchte schrecklich gerne glauben, dass es funktionieren könnte. Das Bett nicht mit Mr. Unbekannt teilen, sondern mit einem Vertrauten. Und dann, wenn beide genug Nähe hatten, hört man auf, und alles ist wie zuvor. Wunderbar unkompliziert. Realistisch gesehen passiert das so eher gar nicht. Viel eher endet eine solche Sache mit gebrochenen Herzen, oder einer Freundschaft, in der jedes Treffen zum unangenehmen Spießrutenlauf wird. Im schlimmsten Fall mit dem Ende der Freundschaft. Mein Plädoyer: „Hose zu lassen“. Die Freundschaft ist eine Freundschaft aus gutem Grund. Sex ist eine wunderbare Sache, doch hierfür etwas so wertvolles aufzugeben, wäre schlichtweg töricht. Hollywood ist gut für die Seele – mit Schokoladeneis. Eine Freundschaft ist gut fürs Leben – ohne Benefits.

 

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