Bye bye Traumprinz, hello Mr. Good Enough!

Wann kommt denn nun endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul? Gar nicht, sagt die amerikanische Autorin Lori Gottlieb, deren Buch („Nimm ihn! Einen Richtigeren findest du nicht“) im Juni auch in Deutschland erscheint. Das Warten auf den Traumprinzen ist nichts weiter als eine romantische Chimäre, meint die kecke Autorin. Verblendet und verblödet von Serien wie „Sex in the City“, verzogen und verbogen von der Emanzipationsbewegung, meinen Frauen heute, sie hätten die

Wann kommt denn nun endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul? Gar nicht, sagt die amerikanische Autorin Lori Gottlieb, deren Buch („Nimm ihn! Einen Richtigeren findest du nicht“) im Juni auch in Deutschland erscheint. Das Warten auf den Traumprinzen ist nichts weiter als eine romantische Chimäre, meint die kecke Autorin. Verblendet und verblödet von Serien wie „Sex and the City“, verzogen und verbogen von der Emanzipationsbewegung, meinen Frauen heute, sie hätten die unendliche Auswahl, sind bei der Partnerwahl überkritisch bis ins kleinste Detail – so dass sie oft am Ende alleine dastehen. Komplett selbstbestimmt, komplett emanzipiert, und komplett unglücklich.

Ein Buch mit Sprengstoff hat die 40jährige Gottlieb da vorgelegt – wie die heftigen Reaktionen quer durch den amerikanisch/englischen Blätterwald zeigen: Verräterin der Emanzipation wird sie genannt, eine, die das Rad der Zeit zurückdrehen möchte, eine, die den Frauen Überheblichkeit und Arroganz vorwirft und die Männer dagegen als pflegeleichte und unkomplizierte Wesen hinstellt.

Dabei, im Ernst, sagt Lori Gottlieb doch etwas sehr Einfaches und Nachvollziehbares: Wir sind alle nicht perfekt. Weder die Männer, noch die Frauen. Und Beziehungen sind schon erst recht nicht perfekt, dazu sind die Beteiligten zu verschieden. Beziehungen können aber funktionieren, wenn man Willens und in der Lage ist, sich den Gegebenheiten ein Stück weit anzupassen. Wenn man in der Lage ist, das Ego („Ich will …“, „Ich bin …“, „Ich erwarte …“) ein Stück weit einzudämmen, zugunsten des „Wir“.

Diese Adaptionsfähigkeit, meint Gottlieb, sei den Frauen in letzter Zeit abhanden gekommen – viel mehr, als den Männern: „Frauen gaben 300 Gründe an, warum sie mit einem bestimmten Mann kein zweites Treffen wollten, Männer lediglich drei. Wenn Männer in diesem Stadium ihres Lebens sind, dann finden sie auch jemanden, der zu ihnen passt – auch, wenn die Person oberflächlich betrachtet nicht so attraktiv, kultiviert oder witzig wie die Ex. Aber Männer analysieren Frauen nicht derart, wie Frauen es mit Männern machen. Vielleicht weiß er, dass seine aktuelle Freundin nicht so heiß ist wie die zuvor, aber das ist okay. Sie ist heiß genug.“

Frauen dagegen benehmen sich bei der Partnerwahl wie bei der Suche nach einem bestimmten Kleidungsstück, das perfekt zu ihnen und ihrem restlichen Outfit passen muss. Notfalls gehen sie in zwei Dutzend Geschäfte, probieren Hunderte von Teilen aus, kaufen was, bringen es am nächsten Tag zurück und tauschen es um. Doch die unendlichen Optionen und Entscheidungsmöglichkeiten der Konsumwelt können auch eine Qual sein, und für die Partnerwahl sind sie sicher kein Erfolg versprechendes Handlungsmuster.

Lori Gottliebs Fazit: Den perfekten Kerl gibt es nicht, ebenso wenig wie die perfekte Frau. Gerade emanzipierte Frauen sollten sich nicht so von romantischem Zuckerguss bei der Suche nach „Mr. Perfect“ verblenden lassen, sondern pragmatischer sein. Im Leben komme es auf andere Dinge an: Eine Familie funktioniere ähnlich wie ein Kleinbetrieb, gefragt ist die Alltagstauglichkeit eines Partners, und Qualitäten wie Verlässlichkeit oder Geduld. Solche Eigenschaften müssten die Frauen im Fokus haben, statt sich darüber aufzuregen, dass da einer beim Film an der falschen Stelle lacht und damit die Traumprinzen-Checkliste nicht erfüllt.

Okay, krass, aber wahr. Eines wundert mich aber bei Lori Gottlieb: Die 40jährige alleinerziehende Mutter ist trotz ihrer Erkenntnisse immer noch Single. Aber wahrscheinlich hat sie ihr Buch in erster Linie als Selbsthilferatgeber in eigener Sache geschrieben – und ist nun auf dem Wege der Besserung. Weg von Mr. Perfect, hin zu Mr. Good enough.