Dating Star – mach dich rar!

„Ich ruf dich dann an! Wir sollten uns wiedersehen“ sagte Martin, als er sich von mir verabschiedet. Es war ein schönes Date, Pizza bei Kerzenschein, das ein oder andere Gläschen Wein, interessante Gespräche, viel gelacht und ein bisschen Kribbeln im Bauch. Nach dem Abschied hatten wir uns beide nochmal umgedreht, ein verstohlenes Lächeln auf den Lippen, dann ging jeder seines Weges. Jetzt war es offiziell: Das Spiel ist eröffnet!

Catch me if you can!

Verteilen wir doch mal die Rollen: Das Weibchen (ich, die Gazelle) und das Männchen (er, der Löwe) haben sich nun zum ersten Mal beschnuppert. Der Löwe hat die Gazelle als würdiges Opfer für seinen nächsten Fraß auserkoren. Die Gazelle allerdings ist gescheit, und hat sofort gemerkt, dass der Löwe Interesse an ihr zeigt. So beginnt sie, ihn zu necken. Mal traut sie sich ganz nah an ihn heran, nur um dann genau im richtigen Augenblick wieder elegant die Flucht anzutreten. Sie würde gerne den Hunger des Löwen stillen, jedoch will sie es ihm nicht allzu leicht machen. Also versteckt sie sich auch gerne mal tagelang, um den Löwen in die Irre zu führen. Der Löwe, in all seiner königlichen Pracht, ist hiermit leicht zu ködern. Je mehr sich die Gazelle seinem Umfeld entzieht, desto mehr Lust hat er, sie zu fressen. Er will sie jagen, sie durch die Steppe treiben, er will sich auf die Pirsch machen, wenn sie sich vor ihm versteckt um dann irgendwann endlich seinen Hunger zu stillen. Die andere Gazelle, die schon die ganze Zeit mit gestauchtem Knöchel vor ihm auf und ab humpelt, lässt er links liegen – obschon sie weitaus schmackhafter wäre als die Gazelle seiner Begierde. Der Löwe will die erlegte Gazelle stolz und triumphierend seinen Artgenossen präsentieren – nicht einfach nur „Abendessen“.

Also ging ich nach Hause, und bereits auf dem Heimweg begannen meine grauen Zellen zu arbeiten. Er will mich wiedersehen, hat er ja gesagt. Und anrufen will er auch. Ob ich ihm noch eine SMS schicke, um mich für den schönen Abend zu bedanken? Kann ja eigentlich nicht schaden. Oder wirkt das zu aufdringlich? Ach ich warte mal ab bis er sich meldet. Oder doch nicht? Was ist denn nun richtig, und was ist falsch? In diesem Fall habe ich mir die Nachricht ausnahmsweise mal verkniffen (ich gelobe ja Besserung). Am nächsten Tag wurde der Frauenrat einberufen – ein enger Kreis vertrauter Seelen, die mir, der notorischen Date-Verpatzerin, kluge Ratschläge geben und mich schimpfen wenn ich mal wieder humpelnde Gazelle spiele. Leider sind sich die Lieben niemals einig. Die eine sagt, ich solle aus dem Bauch heraus handeln. Die nächste erhellt mich mit tiefgründigen Sprüchen à la „Sei ein Star, mach dich rar“ und wiederum eine andere weiß selber nicht so genau was wohl am besten wäre.

Rar machen oder Bauchgefühl?

Ich bin ja nicht von vorgestern. Dass es kontraproduktiv ist, dem Mann quasi beim Verlassen der Date-Location bereits die erste SMS mit Liebesgeständnissen geschrieben zu haben, ist mir durchaus bewusst. Aber die Frage, die sich mir immer und immer wieder aufs Neue stellt ist die: Muss das alles denn wirklich sein? Ich kann verstehen, dass Männer gerne „jagen“. Ich verstehe, dass eine Frau, die sich ihnen bedürftig an den Hals wirft eventuell minderinteressant sein KÖNNTE. Was ich allerdings nicht verstehe ist, was all diese Spielchen des Kalibers „ich-rufe-dich-erst-nach-fünfeinhalb-Tagen-an“ noch mit dem Grundgefühl des Treffens gemein haben. Davon ausgehend, dass man sich nach dem Treffen so sympathisch findet, dass man sich generell wiedersehen möchte, kann und will ich den Sinn dahinter, dem anderen vorzugaukeln, man hätte doch plötzlich kein Interesse mehr, nicht verstehen. Ich bin der Typ Frau, der offen sagt, was Sache ist. Doch bin ich früher immer gleich mit der Brechstange ans Werk, so habe ich mittlerweile gelernt: Bei den Herren der Schöpfung muss doch mit etwas mehr Fingerspitzengefühl vorgegangen werden. Trotzdem möchte ich nicht Tag um Tag damit verbringen, einen Mann nicht anzurufen, den ich gerne anrufen würde, nur weil er dann das Gefühl vermittelt bekommt, ich wäre es wert, um mich zu kämpfen. Entweder er mag mich und will mich wiedersehen, oder eben nicht. Und niemand mit nur halbwegs normalem Verstand kann mir weismachen, dass er mich auf einmal nicht mehr mag, wenn ich ihm die SMS eine Stunde zu früh schicke. Auf der anderen Seite höre ich, wie sich die Männer untereinander beratschlagen. Wenn man die Frau nur ein bisschen ignoriert, so heißt es, hat man sie quasi sicher an der Angel. Wenn ich das mal vorsichtig sagen darf: Das ist ein ziemlich bescheidener Plan, den die beiden Geschlechter da so aushecken.

Wo soll das nur hinführen?

Nun sitze ich also zu Hause und rufe Martin nicht an, und Martin sitzt zu Hause und ruft mich nicht an. Nicht weil wir nicht wollen würden, sondern weil es aus pseudo-taktischen Gründen in irgendeiner Frauen- oder Männerzeitschrift so angeraten wird. Der Plan hinkt, merkt ihr selber, oder…all ihr Verfechter des „Sich-Rarmachens“. Verpasst hier auch nur einer von uns den Zeitpunkt, an dem es der „(Dating)-Regel“ nach in Ordnung wäre den anderen zu kontaktieren, schlägt das Gefühl um in deutliche Antipathie und schnippisches Beleidigtsein. Wenn Martin sich dann endlich mal bei mir meldet, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich auf ein weiteres Treffen mit ihm keine Lust mehr habe, deutlich gestiegen. Warum sonst – außer aufgrund mangelnder Sympathie – hätte er eine Woche brauchen sollen um mir mitzuteilen, dass er mich wiedersehen will?

Tatsache ist, die Frage danach, wer wen wann kontaktiert, wie viel man dem Gegenüber offenbart und was man lieber noch für sich behält, lässt sich nicht ganz so einfach beantworten. Ich werde auch weiterhin nicht an mich halten, mein Gegenüber wissen zu lassen, dass ich Interesse an ihm habe. Nur in Zukunft eben gekonnter. Mit vorsichtiger Zurückhaltung – aber dennoch ohne unnötige Spielchen.

Martin (19:38, per SMS): „Ich weiß nicht so recht, ich glaube du stehst irgendwie auf mich, oder? Das jetzt schon zu wissen langweilt mich irgendwie. Weißt du, wir Männer wollen kämpfen!“

Carrie (19:40): „Lieber Martin, glaub mir, mit mir hättest du noch genug zu kämpfen gehabt. Leider war dein Interesse an mir wohl nicht groß genug, oder deine pubertäre Phase noch nicht überwunden, um darüber hinwegzusehen, dass es eigentlich in Ordnung ist, nicht zwei Wochen lang recherchieren zu müssen um herauszufinden, ob ich dich wiedersehen will oder nicht. Jetzt will ich es nicht mehr. Nur so, dass du es weißt.“